Kurt-Alphons-Jochheim-Medaille

Dem Lebenswerk des Namensgebers entsprechend ehrt die DVfR mit dieser Medaille seit 2011 Personen und Einrichtungen, die in verschiedenen Teilbereichen der Rehabilitation und Teilhabe von behinderten und von Behinderung bedrohten Menschen einschließlich der Forschung Herausragendes geleistet haben.

DVfR würdigt modellhafte Co-Trainer-Ausbildung des Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbands

Die Deutsche Vereinigung für Rehabilitation (DVfR) hat die Kurt-Alphons-Jochheim-Medaille für besondere Leistungen in der Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an den Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (BBS) verliehen. Der BBS wird für sein innovatives und beispielgebendes Konzept ausgezeichnet, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen zu Co-Trainerinnen und Co-Trainern im Sport auszubilden.

Der BBS bietet seit 2020 regelmäßig Lehrgänge an, um Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen als Co-Trainerinnen und -Trainer zu qualifizieren. Nach der Ausbildung sollen die Teilnehmenden die Übungsleiterinnen und -leiter in ihren Heimatsportvereinen unterstützen und z. B. das Aufwärmprogramm eigenständig anleiten können. Die angehenden Co-Trainerinnen und -Trainer lernen in Kleingruppen von zehn bis zwölf Personen, wie sie eine Trainingseinheit aufbauen, welche Übungen und Spiele sie in der Praxis umsetzen und wie sie auf unsportliches Verhalten reagieren. Der BBS hat für die Ausbildung Unterrichtsmaterialien in Leichter Sprache entwickelt, damit alle Teilnehmenden den Schulungsinhalten folgen können.

„Dank der Initiative des BBS können Menschen mit Behinderungen nicht nur als Sportlerinnen und Sportler aktiv sein, sondern auch als Ehrenamtliche in ihren Vereinen Mitverantwortung übernehmen“, betont Dr. med. Matthias Schmidt-Ohlemann, Vorsitzender der DVfR. „Damit wird die in Artikel 30 der UN-Behindertenrechtskonvention formulierte Forderung, Menschen mit Behinderungen zu ermutigen, so umfassend wie möglich an breitensportlichen Aktivitäten auf allen Ebenen teilzunehmen, auf überzeugende Art und Weise erfüllt.“

Friedhelm Julius Beucher, Ehrenpräsident des Deutschen Behindertensportverbands, lobt das Konzept in seiner Laudatio als einen „Meilenstein auf dem Weg zu echter Inklusion“ und ergänzt: „Die Ausbildung zum Co-Trainer schenkt Selbstbewusstsein, schafft Anerkennung und ermöglicht Augenhöhe – nicht nur im Training, sondern auch im menschlichen Miteinander.“

Alle Co-Trainerinnen und -Trainer werden nach erfolgreichem Abschluss der zweitägigen Ausbildung von Mitarbeitenden des BBS in ihren Vereinen besucht. Bei mehrmals jährlich stattfindenden Veranstaltungen können sie ihr Wissen erweitern. In Baden haben bereits 65 Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen die Schulung des BBS absolviert. Aufgrund der positiven Erfahrungen bietet der Deutsche Behindertensportverband die Ausbildung inzwischen auch in den Landesverbänden Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen an.

Michael Eisele, Geschäftsführer des BBS, dankt der DVfR für die Ehrung: „Wir wollen Barrieren abbauen – nicht nur im Sport, sondern auch in den Köpfen. Die Ausbildung von Co-Trainern ist ein starkes Signal: Menschen mit Behinderung gehören in die Mitte unserer Vereine, nicht an den Rand. Die Auszeichnung mit der Kurt-Alphons-Jochheim-Medaille motiviert uns, diesen Weg konsequent weiterzugehen.“

Die DVfR vergab die Medaille an den BBS am 18. November 2025 in Berlin während ihrer Mitgliederversammlung.

Laudatio von Friedhelm Julius Beucher

Website des Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbands

DVfR zeichnet Forschungsinstitut FIBS gGmbH aus

Die Kurt-Alphons-Jochheim-Medaille für besondere Leistungen in der Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen geht in diesem Jahr an das Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport gGmbH (FIBS) in Frechen. Durch anwendungs- und teilhabeorientierte Forschung sowie Netzwerk- und Konzeptentwicklung fördert das FIBS die Gesundheit und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in beispielgebender Art.

Die Deutsche Vereinigung für Rehabilitation (DVfR) verlieh der FIBS gGmbH die Auszeichnung am 15. Oktober in Berlin im Rahmen ihrer diesjährigen Mitgliederversammlung. Seit seiner Gründung im Jahr 2008 fördert das Institut die Inklusion, das Selbsthilfepotenzial und das selbstbestimmte Leben von Menschen mit Behinderungen durch lokale, nachhaltige Projekte zum Thema Bewegung und Sport. Der Vorsitzende der DVfR, Dr. med. Matthias Schmidt-Ohlemann, unterstrich: „Die praxisnahe Forschungsarbeit des FIBS ebnet Menschen mit Behinderungen den Weg zur Teilhabe an sportlicher Betätigung mit allen positiven Begleiterscheinungen wie besserem körperlichen Befinden und sozialer Interaktion. Dabei werden die Zielgruppen beispielhaft mit ins Boot geholt.“

Prof. Dr. med. Bernhard Greitemann, Ärztlicher Direktor an der Klinik Münsterland am RehaKlinikum Bad Rothenfelde, betonte in seiner Laudatio die positiven Effekte von Sport und körperlicher Aktivität für Menschen mit Behinderungen, speziell mit Mehrfachbehinderungen. Die FIBS gGmbH habe es sich „zum Ziel gesetzt, in diesem Bereich richtungsweisend praxisnahe Forschung zu betreiben, um die Teilhabe und die Inklusion der Menschen mit Behinderungen durch die Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Praxis voranzutreiben“. Die Forschungstätigkeiten der diesjährigen Preisträgerin haben dabei folgende Ziele: Stärkung von motorischen und psychosozialen Ressourcen von Menschen mit Behinderungen durch Sport, Begleitung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft durch Bewegung und Sport über wissenschaftliche und praxisrelevante Forschung sowie die Analyse des inklusiven Potenzials bestimmter Sportarten einschließlich der Beleuchtung von Risiken und Optimierungsmöglichkeiten.

Dr. Volker Anneken, Geschäftsführer der FIBS gGmbH, dankte für die Anerkennung der Arbeit durch die verliehene Auszeichnung und ergänzte: „Wir als FIBS-Team sind stolz und begeistert über diese wertschätzende Anerkennung unserer Arbeit. Dafür möchte ich der DVfR im Namen des gesamten Teams und der Gesellschafter Gold-Kraemer-Stiftung, Deutsche Sporthochschule Köln und Lebenshilfe NRW großen Dank aussprechen.“

Laudatio von Prof. Dr. med. Bernhard Greitemann

Website des Forschungsinstituts für Inklusion durch Bewegung und Sport gGmbH

Seit 1994 fördert das Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) in Jena die Inklusion, das Selbsthilfepotenzial, das Empowerment und selbstbestimmte Leben von Menschen mit Behinderungen. bifos entwickelte u. a. ein Ausbildungs-Curriculum für das Peer Counseling, also die Beratung von Menschen mit Behinderungen durch ebenfalls betroffene Personen, und führt dazu seit vielen Jahren erfolgreich Weiterbildungen durch.

Weitere Informationen:

Website des Bildungs- und Forschungsinstituts zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) e. V.

Die Programme „Auf die Beine“ und die „Ambulante Medizinisch-Lebenswelt orientierte Rehabilitation“ (AMLOR) des Kölner Zentrums für Kinder- und Jugendrehabilitation der UniReha GmbH wurden von der DVfR als außergewöhnlich innovativ, interdisziplinär, patientenorientiert und nachhaltig bewertet. Die ambulanten Programme für Kinder und Jugendliche mit Bewegungseinschränkungen können als Pionierangebote gelten und werden von den jungen Patientinnen und Patienten sowie ihren Eltern gut angenommen.

Weitere Informationen:

Reha-Programm "Auf die Beine" und „Ambulante Medizinisch-Lebenswelt orientierte Rehabilitation“ (AMLOR)

Der Verbund der Embrace-Hotels e. V. fördert 45 Mitgliedshotels (Stand 2021), die in herausragender Weise Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderungen bereitstellen. So ermöglicht der Preisträger nachhaltig die Teilhabe von Beschäftigten mit Beeinträchtigungen auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Weitere Informationen:

Website des Verbunds der Embrace-Hotels

Der Bundesverband Schädel-Hirnpatienten in Not e. V. wurde für sein herausragendes Engagement als Selbsthilfeorganisation von Betroffenen für Betroffene ausgezeichnet. Der 1990 gegründete Verband mit über 3.000 Mitgliedern (Stand 2020) vertritt die Interessen von Menschen mit Schädel-Hirn-Trauma, schwerem Schlaganfall, Hirnblutung und von wiederbelebten Menschen im Koma oder Wachkoma, sowie aller Schädel-Hirn-Erkrankten. 70 regionale Gruppen im Bundesgebiet betreuen Betroffene vor Ort.

Weitere Informationen:

Website des Bundesverbands Schädel-Hirnpatienten in Not e. V. 

Das Unfallkrankenhaus Berlin, einer der Träger der Initiative, bietet seit 2010 bei Amputationen ein Peer Counseling an, d. h. die Beratung von Patientinnen und Patienten durch selbst Betroffene, sogenannte Peers. Diese können aus eigenem Erleben den Betroffenen Bewältigungsstrategien nahebringen und authentisch vermitteln, dass es sich lohnt, eigene Teilhabeziele anzugehen und die Anstrengungen der Rehabilitation dafür auf sich zu nehmen.

Weitere Informationen:

Website der Initiative Peers im Krankenhaus

Die Bremer Heimstiftung wurde für ihre vorbildliche Arbeit zur Verbesserung der Teilhabe und Selbstbestimmung pflegebedürftiger Menschen geehrt. Nach dem Motto „Mitten im Leben“ gestaltet sie ambulante Wohn- und Lebensformen inmitten der Gemeinschaft und vernetzt diese mit Angeboten der Betreuung, Pflege, Gesundheitsversorgung und Rehabilitation.

Weitere Informationen:

Website der Bremer Heimstiftung

Dr. Harry Fuchs hat sich in Haupt- und Ehrenämtern, (Selbst-)Verwaltung, Beratung, Lehre und Forschung in herausragender Weise um die Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen in Deutschland verdient gemacht. Durch kritische Reflexion von Gesetzgebung und Verwaltungspraxis in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Rehabilitation setzte er sich darüber hinaus für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ein.

Weitere Informationen:

Website von Harry Fuchs

Das Modellprojekt „SPORT FÜR MENSCHEN MIT DEMENZ“ des Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes Nordrhein-Westfalen und des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen wurde ausgezeichnet, weil es in einzigartiger Weise die Teilhabe von Menschen mit Demenz am Leben in der Gemeinschaft fördert. Unter dem Motto „Gesundheit fördern, Teilhabe ermöglichen, Lebensqualität erhalten“ wurden an 73 Standorten in Nordrhein-Westfalen (Stand 2016) neue Sportangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen geschaffen. In jedem dieser lokalen Projekte arbeiten Sportvereine mit Partnern aus Pflege, Betreuung, Begleitung und Demenzberatung zusammen. 

Weitere Informationen:

Website des Modellprojekts SPORT FÜR MENSCHEN MIT DEMENZ

Das P.A.N. Zentrum wurde für seine herausragenden Leistungen bei der Rehabilitation von Menschen mit multiplen Beeinträchtigungen infolge erworbener Hirnschädigung gewürdigt. Dieses vorbildliche Angebot der postakuten, langfristigen, alltagsnahen, partizipations- und sozialraumorientierten Rehabilitation eröffnet betroffenen Menschen nach dem Aufenthalt in einer Klinik weitere Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten für eine selbstbestimmte Teilhabe und den Weg zurück in den Alltag. Es schließt eine Lücke im bestehenden Versorgungssystem für Menschen mit erworbenen schweren Beeinträchtigungen.

Weitere Informationen:

Website des P.A.N. Zentrums

Das Netzwerk Epilepsie und Arbeit der Inneren Mission München wurde ausgezeichnet für seine herausragenden Leistungen bei der Beratung und umfassenden Unterstützung von epilepsiekranken Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, ihren Arbeitgebern sowie Fachkräften rund um das Thema Epilepsie am Arbeitsplatz. Als vorbildlich gilt das bundesweite Netzwerk aus regionalen interdisziplinären Fachteams, die epilepsiebedingte Probleme am Arbeitsplatz lösen und damit die Voraussetzungen für die berufliche Teilhabe und Inklusion epilepsiekranker Menschen schaffen.

Weitere Informationen:

Website des Netzwerks Epilepsie und Arbeit

Gewürdigt wurden die herausragenden Leistungen der Deutschen Blindenstudienanstalt e. V. (BLISTA) im Bereich der Bildung, Rehabilitation, Teilhabe und Inklusion für sehbehinderte und blinde Menschen aller Altersgruppen. Das sehr breite Leistungs- und Unterstützungsangebot ermöglicht betroffenen Menschen, lebenspraktische Kompetenzen zu erwerben, um ein selbständiges Leben weitgehend ohne fremde Hilfe führen zu können. Vorbildlich sind diese Angebote auf die „Hilfe zur Selbsthilfe“ ausgerichtet.

Weitere Informationen:

Website der Deutschen Blindenstudienanstalt e. V. (BLISTA)

Das Team der Rollidkids des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands wurde für herausragende Leistung in der Betreuung und Unterstützung von rollstuhlfahrenden Kindern und Jugendlichen geehrt. Die Aufgaben und Ziele der DRS-Rollikids umfassen Rollstuhlfahrschulungs- und Mobilitätstrainingskurse, Sportkurse für Jugendliche und junge Erwachsene bzw. für Familien, Beratung zum Thema „Rollstuhlversorgung“, Beratung beim Aufbau einer Kinder- und Jugendsportabteilung, Fortbildungen für Übungsleiter und anderes Fachpersonal sowie Tipps und Tricks für den Alltag von Rollstuhlfahrern für Rollstuhlfahrer. 

Weitere Informationen:

Website der DRS-Rollikids Duisburg

Die Spina bifida-Ambulanz Mainz wurde für ihre besonderen Verdienste um die umfassende Begleitung und Rehabilitation von Menschen mit Spina bifida ausgezeichnet. Betroffene und ihre Angehörigen finden hier bei allen gesundheitlichen Belangen und zahlreichen psychosozialen Problemen niedrigschwellig Unterstützung. Zu den Angeboten der Einrichtung zählen Seminare für Eltern, Trainings für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Sport, Informationsveranstaltungen sowie die Möglichkeit zu aufsuchender Hilfe.

Weitere Informationen:

Website der Spina bifida-Ambulanz des Zentrums für Kinderneurologie und Sozialpädiatrie der Rheinhessen-Fachklinik Mainz

Weitere Informationen

Näheres zur Vergabe der Kurt-Alphons-Jochheim-Medaille finden Sie im Statut.

Kurt-Alphons Jochheim

Das Lebenswerk von Prof. Dr. med. Dr. phil. h. c. Kurt-Alphons Jochheim (1921-2013) war geprägt durch seine soziale sowie wissenschaftliche Arbeit als Arzt und Dozent im Dienste der Rehabilitation.

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