27.08.2026

Studie der Aktion Mensch zu Diskriminierungserfahrungen

Menschen mit Beeinträchtigungen erfahren in fast allen Lebensbereichen Benachteiligungen, obwohl gesetzliche Regelungen wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und die UN-Behindertenrechtskonvention dem entgegenwirken sollen. Sie sind von Diskriminierungen häufiger betroffen als die Gesamtbevölkerung, wie die vergleichende, im August 2026 veröffentlichte Studie „Diskriminierung als Alltagserfahrung“ der Aktion Mensch zeigt.

Grundlage der Studienergebnisse ist eine quantitative Online-Befragung vom 2. bis zum 14. Juli 2026. Befragt wurden insgesamt 1.093 Personen ab 16 Jahren, darunter 593 Personen mit Beeinträchtigungen aus dem Online-Panel der Teilhabe-Community der Aktion Mensch. Die Befragung wurde 2025 zum ersten Mal durchgeführt, sodass ein Vergleich nicht nur der Erfahrungen von Menschen mit und Menschen ohne Behinderungen, sondern auch mit den Daten des Vorjahres möglich ist.

71 Prozent der Befragten aus der Teilhabe-Community 2025 gaben an, Diskriminierung im öffentlichen Raum erlebt zu haben; 2026 waren es 68 Prozent (Gesamtbevölkerung: 46 Prozent (2025) bzw. 42 Prozent (2026)). Auch im Kontakt mit staatlichen Stellen, bei der Arbeit, beim Wohnen und im digitalen Raum ist der Anteil der Menschen mit Behinderungen, die Diskriminierungen erfahren haben, in beiden Jahren jeweils höher als in der Gesamtbevölkerung. Diese Tatsache spiegele strukturelle Ungleichheiten und die Stigmatisierung von Menschen mit Beeinträchtigungen wider, heißt es im Ergebnisbericht zur Studie.

Fast ein Drittel der Menschen mit Behinderungen wird nicht gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz aktiv

Diskriminierungserfahrungen auf dem Arbeitsmarkt waren im Jahr 2025 der häufigste Grund für eine Meldung bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: 3.670 von insgesamt 13.067 Beratungsanfragen gingen zu diesem Bereich ein. Während laut der Studie der Aktion Mensch 40 Prozent der Gesamtbevölkerung sich im Arbeitsleben schon einmal unfair behandelt gefühlt haben, waren unter den befragten Menschen mit Beeinträchtigungen mehr als die Hälfte (59 Prozent) davon betroffen.

Fehlende Anerkennung, Mobbing durch Kolleginnen und Kollegen, schlechtere Karrierechancen und diskriminierende Bemerkungen wurden als häufigste Benachteiligungsformen genannt. Der Anteil der von Diskriminierung Betroffenen mit Beeinträchtigungen sei fast überall höher. Nur bei einer als ungerecht empfundenen Bezahlung liegt der Anteil der Gesamtbevölkerung mit 15 Prozent leicht über dem Wert der Teilhabe-Community (13 Prozent). Dies lasse sich durch bekannte Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt wie z. B. den Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen (Gender Pay Gap) erklären.

Der Anteil der Menschen, die sich gegen erlebte Barrieren oder Ausgrenzungen im Berufsleben zur Wehr setzen, hat sowohl in der Gesamtbevölkerung als auch bei Menschen mit Behinderungen abgenommen. 32 Prozent der Menschen mit Behinderungen sagten aus, gegen die Diskriminierung nichts zu unternehmen. Als Grund dafür gaben 67 Prozent von ihnen an, dass es „nichts bringen würde“; 42 Prozent werden aus Angst vor weiteren Nachteilen nicht aktiv.

Die Studie widmet auch ein Kapitel möglichen Ideen, die Diskriminierungserfahrungen langfristig reduzieren könnten. 72 Prozent der befragten Menschen mit Beeinträchtigungen halten eine Klarnamenpflicht im Internet für ein geeignetes Mittel, um Diskriminierungen rechtlich besser verfolgen zu können. 55 Prozent sprechen sich für härtere Strafen und eine verbesserte Durchsetzung bestehender Antidiskriminierungsgesetze wie das im Juni 2025 in Kraft getretene Barrierefreiheitsstärkungsgesetz aus. 59 Prozent der Befragten sehen den Ausbau von Bildungsangeboten in Schulen und am Arbeitsplatz als erfolgsversprechende Maßnahme an. Der allgemeine Abbau von Barrieren im Sinne einer verbesserten Barrierefreiheit wird von 54 Prozent befürwortet.

Zur Studie „Diskriminierung als Alltagserfahrung“ auf der Website der Aktion Mensch

(Quellen: Aktion Mensch e. V., Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung)