06.08.2026

HilfsmittelStudie 2026: Branche sieht Digitalisierung als Chance

Wie zukunftsfähig ist die Hilfsmittelversorgung aufgestellt, welche Faktoren könnten sich in den kommenden Jahren positiv oder negativ auf die Branche auswirken? Um diese Fragen zu beantworten, hat die opta data Zukunfts-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik, dem Verband Versorgungsqualität Homecare und dem Institut für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien die „HilfsmittelStudie 2026“ durchgeführt.

Die Studie gliedert sich in zwei Bestandteile. Im ersten Teil wurden über 50 qualitative Interviews geführt. An der bundesweiten Online-Befragung in der zweiten Phase nahmen rund 1.000 Personen aus der Orthopädietechnik, Homecare, Reha-Technik und weiteren Tätigkeitsbereichen der Hilfsmittelversorgung teil.

Ein zentrales Ergebnis der qualitativen Interviews sei die Wahrnehmung einer tiefgreifenden Transformation der Branche, heißt es in der Gesamtanalyse des Studienberichts. Es gehe demnach nicht mehr primär darum, Produkte bereitzustellen, sondern zunehmend darum, als Versorgungsakteur und Koordinator Patientinnen und Patienten zu begleiten. In der Online-Befragung geben 88,50 % an, einen steigenden Bedarf an Hilfsmitteln und Versorgungsleistungen zu erwarten. Zugleich rechnen 73,48 % der Befragten mit einer weiter zunehmenden Ambulantisierung. Dass die Menschen in Deutschland immer älter werden, betrachte die Hilfsmittelbranche nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Grundlage ihrer langfristig steigenden Relevanz für die Gesellschaft.

Deutliche Übereinstimmungen in den qualitativen bzw. quantitativen Befragungen zeigten sich mit Blick auf die Digitalisierung. Diese werde in den Interviews meist als Chance bewertet, um Prozesse zu beschleunigen, Bürokratie abzubauen und Fachkräfte zu entlasten. Dieser Eindruck wurde von 19,52 % der Teilnehmenden der Online-Befragung bestätigt.

Hilfsmittelbranche ist politisch zu wenig sichtbar

Während die qualitative Analyse ergebe, dass die Hilfsmittelbranche von ihrer eigenen Innovationsfähigkeit überzeugt ist, verdeutliche die quantitative Analyse, dass die Befragten stark an den politischen und strukturellen Rahmenbedingungen zweifeln. 84,41 % gehen davon aus, dass sich die Hilfsmittelversorgung aufgrund von Bürokratie und Kostendruck verschlechtern wird.

Sowohl in den qualitativen Interviews als auch in der quantitativen Befragung ist die von den Akteuren empfundene geringe politische Sichtbarkeit ein Thema. 93,20 % fühlen sich laut Studienbericht von der aktuellen Gesundheitspolitik nicht ausreichend vertreten. Fehlende Lobbyarbeit (38,90 %), Bürokratie (34,04 %) und wirtschaftliche Sorgen (29,98 %) waren die wichtigsten genannten Gründe.

Der Fachkräftemangel wird sowohl in der qualitativen als auch in der quantitativen Befragung als Gefahr für die Hilfsmittelversorgung beschrieben. 80,97 % erwarten, dass er sich weiter verschärfen wird. Für die Autorinnen und Autoren des Studienberichts ist das ein Hinweis darauf, dass die Leistungsfähigkeit der Branche in Zukunft „weniger von technologischen Möglichkeiten als von der Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestimmt werden“ wird.

Weitere Informationen

Die „HilfsmittelStudie 2026“ kann über die Website der opta data Zukunfts-Stiftung kostenfrei heruntergeladen werden. Um das Dokument zu erhalten, müssen Interessierte zunächst den Newsletter des Unternehmens abonnieren.

(Quelle: opta data Zukunfts-Stiftung gGmbH)