06.07.2026

Bundesteilhabepreis 2026 würdigt Projekte zu inklusivem Berufseinstieg

Im Rahmen der Inklusionstage am 6. und 7. Juli 2026 wurde heute der Bundesteilhabepreis zum 7. Mal verliehen. Der mit insgesamt 17.500 Euro dotierte Wettbewerb konzentrierte sich in diesem Jahr auf Projekte zur Förderung des inklusiven Berufseinstiegs für junge Menschen mit Behinderungen.

Der Bundesteilhabepreis wird seit 2019 jährlich unter einem anderen Schwerpunktthema durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) vergeben. Mit dem Preis sollen Projekte gewürdigt werden, die das Potenzial eines inklusiven, barrierefreien Sozialraums zeigen und Modellcharakter haben können. Wie in den Jahren zuvor hat die Bundesfachstelle Barrierefreiheit den Wettbewerb auch 2026 im Auftrag des BMAS umgesetzt.

119 Beiträge gingen laut Pressemitteilung des BMAS in diesem Jahr ins Rennen. Eine unabhängige Fachjury, bestehend aus zwölf Expertinnen und Experten der Verbände von Menschen mit Behinderungen sowie aus den Kommunen und den Ländern, hat die drei Preisträger ausgewählt.

Der Übergang von der Schule in den Beruf sei vor allem für junge Menschen mit Beeinträchtigungen herausfordernd, wird Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas in der Mitteilung zitiert. „Im Rahmen des diesjährigen Bundesteilhabepreises wurden viele tolle Projekte eingereicht und prämiert, die zeigen, wie der Einstieg in den Arbeitsmarkt gelingen kann.“ Die ausgezeichneten Projekte seien gute Beispiele und Vorbilder für andere, die es verdienten, nachgeahmt zu werden, ergänzt Dr. Volker Sieger, Leiter der Bundesfachstelle Barrierefreiheit.

Die Preisträger des Bundesteilhabepreises 2026 sind:

  • 1. Preis | Projekt: Rheinkompanie – professionelle Schauspielausbildung für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung (Schauspielschule DER KELLER)

Mit dem Projekt „Rheinkompanie“ bietet die Schauspielschule DER KELLER in Köln seit September 2024 jungen Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit, gemeinsam mit Menschen ohne Behinderungen eine professionelle Schauspielausbildung zu absolvieren. Die Ausbildung ist personenzentriert, inklusiv und ausgerichtet auf den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt von Theater, Film und Fernsehen. Sie erfolgt vollumfänglich auf Augenhöhe, auch was die Förderung und Forderung der kreativen Leistung betrifft.
Besonders ist ebenfalls die Kombination aus dem inklusiven Unterricht aller Schülerinnen und Schüler sowie die regelmäßige individuelle Förderung der Auszubildenden mit kognitiver Beeinträchtigung. Diese Art der Ausbildung und die regelmäßigen öffentlichen Auftritte stärken das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit der Schauspielschülerinnen und -schüler.
Das innovative Angebot schließt eine Lücke: Es schafft erstmals einen professionellen Ausbildungsort, der jungen Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung den Zugang zu dem besonderen Berufsfeld Schauspiel ermöglicht.

  • 2. Preis | Projekt: inKlub Startup Mentoring Programm (inKlub e. V.)

Im „inKlub Startup Mentoring Programm“ werden junge, gründungsinteressierte Menschen mit Behinderungen dazu qualifiziert, ihre Geschäftsideen umzusetzen.
Das sechsmonatige Programm schafft erstmals für Menschen mit Behinderungen barrierefreie Rahmenbedingungen, die sie benötigen, um ihr unternehmerisches Potenzial zu entfalten. Das Bewerbungsverfahren ist ebenso barrierefrei wie die Kommunikation im Mentoring. Während des Programms wird individuell auf die Bedürfnisse der Einzelnen eingegangen. Zum Abschluss präsentieren die Teilnehmenden ihre Geschäftsideen bei einem Investoren-Tag im Livestream vor Publikum und einer Fachjury.
Die Qualität des Angebots wird auch weiterhin nach dem Mentoring durch eine deutschlandweite inklusive Gründungs-Community gesichert. Das Projekt demonstriert eindrucksvoll, wie junge Menschen mit Behinderungen nicht nur am Arbeitsmarkt teilhaben, sondern ihn aktiv verändern können. Dieses Mentoring-Programm ist nachhaltig: Als Unternehmerinnen und Unternehmer schaffen sich die Teilnehmenden einen eigenen, passgenauen Arbeitsplatz und gestalten als inklusive Unternehmen den Weg zu einem inklusiven Arbeitsmarkt mit.

  • 3. Preis | Projekt: „Inklusion leben“ – Menschen mit Beeinträchtigungen als Kita-Assistenz (eva Kinderbetreuung GmbH)

Das Projekt „Inklusion leben“ qualifiziert Menschen mit Behinderungen zur Kita-Assistenz. Das Angebot ist eine sechsmonatige, dual angelegte Qualifizierung. Es richtet sich insbesondere an junge Menschen mit Beeinträchtigungen, die aufgrund fehlender schulischer Abschlüsse keinen Zugang zu regulären Ausbildungswegen haben. Die Qualifizierung verbindet begleitenden Unterricht mit kontinuierlichen Praxiseinsätzen in Kindertageseinrichtungen. Zentrales Element ist die individuelle Begleitung der Teilnehmenden: Lernprozesse werden angepasst, klare Strukturen, feste Bezugspersonen und wiederkehrende Abläufe schaffen Sicherheit und fördern Selbstwirksamkeit. Am Ende der Qualifizierung steht eine praxisnahe Leistungsüberprüfung.
Das Projekt hat das Ziel, die Teilnehmenden für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als Kita-Assistenz im allgemeinen Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Dabei eröffnet es Menschen mit Behinderungen erstmals den Zugang zu pädagogischen Arbeitsfeldern. Es bietet die Chance, selbstbestimmt zu arbeiten, eigene Entscheidungen zu treffen und eigenes Einkommen zu erzielen. Der Ansatz zeigt, dass nachhaltige berufliche Inklusion gelingt, wenn Theorie, Praxis in Kindertageseinrichtungen und individuelle Begleitung von Beginn an eng verzahnt sind. Das Konzept ist auf andere soziale und pädagogische Arbeitsfelder und weitere Regionen übertragbar.

Ausführliche Informationen zum Bundesteilhabepreis 2026 gibt es auf der Website der Bundesfachstelle Barrierefreiheit.

(Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales)