01.07.2026

Befragung des DIMR: Eltern befürworten inklusive Bildung

Die meisten Eltern mit Kindern auf Förderschulen würden ihr Kind lieber auf eine allgemeine Schule schicken, wenn dort bessere Bedingungen herrschten. Diese Schlussfolgerung lassen die Ergebnisse der Studie „Inklusive Bildung zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR) zu. Für die Erhebung wurden im vergangenen Jahr bundesweit rund 7.500 Eltern von Kindern mit Behinderungen befragt.

Die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf hat nach Angaben des DIMR in den vergangenen Jahren beständig zugenommen. 60 Prozent dieser Kinder besuchen Förderschulen. Dabei wünschten sich rund 82 Prozent aller Eltern, dass Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam lernen.

Die Ergebnisse der Elternbefragung seien ein klarer Handlungsauftrag an die Politik, resümiert Britta Schlegel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des DIMR. „Es braucht den politischen Willen in allen Bundesländern, ein gutes, inklusives Schulsystem zu schaffen und Förderschulen abzubauen.“ Die Studie legt auch die regionalen Unterschiede in der deutschen Bildungslandschaft offen: Während norddeutsche Bundesländer und Stadtstaaten häufiger inklusiv ausgerichtet seien, fokussierten sich Beratungen der Eltern in süddeutschen und einigen ostdeutschen Ländern häufiger auf Förderschulen.

Besuch von Förderschulen führt oft zu lebenslangem Ausschluss

Die meisten Eltern würden sich für Förderschulen entscheiden, weil die Inklusion an allgemeinen Schulen unzureichend umgesetzt werde. Das Elternwahlrecht sei deshalb ein Scheinwahlrecht, ergänzt Susann Kroworsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin des DIMR und Co-Autorin der Studie.

Das DIMR verweist in seiner Berichterstattung auch darauf, dass der Besuch einer Förderschule häufig eine lebenslange Exklusion nach sich zieht. Rund 73 Prozent der Schülerinnen und Schüler verlassen Förderschulen ohne Abschluss. Angesichts ihrer geringen beruflichen Chancen bleibt ihnen häufig nur eine Beschäftigung in Werkstätten für behinderte Menschen. Es sei durch Studien nachgewiesen, dass Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allgemeinen Schulen mehr lernten. Zugleich habe sich gezeigt, dass der Lernfortschritt ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler ohne Förderbedarf bei einer inklusiven Beschulung nicht beeinträchtigt werde, erläutert Kroworsch.

Aus Sicht des DIMR sprechen auch die knappen öffentlichen Mittel dagegen, weiterhin zwei parallele Schulsysteme zu finanzieren. Die durch einen Abbau von Förderschulen freiwerdenden Mittel seien dringend für die Verbesserung der inklusiven Bildung an Regelschulen nötig. Davon profitierten alle Kinder, beispielsweise durch kleinere Klassen, mehr Personal, multiprofessionelle Teams, individuelleren Unterricht und barrierefreie Räume.

Zu den Ergebnissen der Elternbefragung auf der Website des DIMR

Die Factsheets zu ausgewählten Themenbereichen stehen sowohl in Alltagssprache als auch in Leichter Sprache zur Verfügung.

Zu einem Interview mit Britta Schlegel und Susann Kroworsch auf der Website des DIMR

(Quelle: Deutsches Institut für Menschenrechte)