26.10.2026

Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr: Einstieg erweist sich als die größte Hürde

Der öffentliche Nahverkehr wird zunehmend barrierefrei gestaltet, doch müssen Menschen mit (körperlichen) Behinderungen oder Reisende mit schwerem Gepäck nach wie vor Hindernisse überwinden. Das zeigt ein Test des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) in zehn deutschen Städten.

40 Prozent der Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sind mindestens einmal pro Woche mit Bus oder Straßenbahn unterwegs, schreibt der ADAC mit Verweis auf eine eigene Umfrage. Bei Menschen ohne Mobilitätseinschränkungen seien es 30 Prozent. Zudem sagten 29 Prozent der Befragten mit Einschränkungen aus, dass sie den öffentlichen Nahverkehr häufiger nutzen würden, wenn Haltestellen und Zugänge durchgängig stufenlos erreichbar wären.

In seinem Test hat der ADAC fast 150 Haltepunkte in Augsburg, Bielefeld, Braunschweig, Chemnitz, Erfurt, Kassel, Magdeburg, Mainz, Mannheim und Rostock aus der Perspektive von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und ortskundigen blinden Nutzerinnen und Nutzern untersuchen lassen. Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Weg vom Gehsteig über die Haltestelle bis zum Einstieg in Bus oder Bahn.

Dabei zeigte sich, dass an 93 Prozent der getesteten Haltesteige Leitstreifen an der Bordsteinkante vorhanden waren. Diese unterstützen blinde Fahrgäste bei der Orientierung und bei der Absicherung zur Fahrbahn oder zu den Gleisen. Außerdem war ein Großteil der Haltesteige mit ausreichend breiten Warteflächen (87 Prozent), für Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen nutzbaren Haltesteigen (83 Prozent) und flachen Rampen (84 Prozent) ausgestattet.

Die größte Hürde bleibe der Einstieg in die Fahrzeuge, berichtet der ADAC in seiner Auswertung. Vor allem Busse seien oft nur schwer zugänglich. Sowohl der Spalt als auch der Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und Fahrzeug sollte nicht größer als fünf Zentimeter sein. Unter dieser Voraussetzung könnten Menschen mit Mobilitätseinschränkungen selbstständig und ohne Nutzung einer Rampe einsteigen. Jedoch erfüllten nur 20 Prozent der getesteten Straßenbahnen und drei Prozent der Busse diese Empfehlung.

Barrierefreiheit muss unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen

Der Test verdeutlicht auch, dass Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen unterschiedliche Anforderungen an Barrierefreiheit stellen. Als Beispiel führt der ADAC die Beschaffenheit der Bordsteine an: Während an etwa 80 Prozent der untersuchten Querungen abgesenkte Bordsteine für Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen vorhanden waren, gab es nur an 28 Prozent der Querungen Bodenindikatoren wie deutlich erkennbare Kanten oder taktile Leitsysteme, die blinden Menschen bei der Orientierung behilflich sind.

Um den öffentlichen Nahverkehr weiter barrierefrei auszubauen, sind nach Einschätzung des ADAC u. a. eine gute Abstimmung und Umsetzung über Zuständigkeitsgrenzen hinweg sowie ausreichend finanzielle Mittel nötig. Ebenso wichtig seien regelmäßige Schulungen des Fahrpersonals, da die Qualität des Einstiegs oft von einem präzisen Anfahren der Haltestelle abhänge.

Der ADAC hat seine Testergebnisse im Juli 2026 veröffentlicht; das Nachrichtenportal Kobinet hat in einer Meldung kürzlich darüber berichtet.

Weitere Informationen

Die Detailergebnisse der Tests in den einzelnen Städten stehen auf der Website des ADAC zur Verfügung: zu den Ergebnissen

(Quellen: Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e. V., Kobinet)