22.09.2026

REHADAT-Umfrage zu Depressionen im Job

Die berufliche Teilhabe von Menschen mit Depressionen hängt nicht nur von der Erkrankung selbst, sondern auch stark von den Bedingungen am Arbeitsplatz ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine von REHADAT durchgeführte Online-Befragung, an der insgesamt 243 Personen teilnahmen.

Die Umfrage fand von Mitte Mai bis Mitte Juli 2026 statt und richtete sich an Personen mit ärztlich diagnostizierter Depression, die mindestens eine depressive Episode in den vergangenen zwei Jahren hatten und angestellt oder selbstständig tätig waren.

Fast alle Befragten (95,9 %) gaben laut Auswertung der Umfrage an, trotz depressiver Symptome zu arbeiten. Als häufigste Gründe für das Arbeiten trotz Beschwerden wurden der Wunsch, Kolleginnen und Kollegen nicht zu belasten, eine hohe oder dringende Arbeitsmenge bewältigen zu müssen und keine Vertretung zu haben, genannt. Manche Befragten sagten auch aus, die Arbeit als Ablenkung von Beschwerden zu nutzen.

Über die Hälfte der Befragten mit einer Führungskraft oder einem Team hat am Arbeitsplatz über ihre psychische Erkrankung gesprochen: 54,8 Prozent informierten ihre Führungskraft und 58,8 Prozent ihre Kolleginnen und Kollegen. Die Offenlegungsraten seien bemerkenswert hoch, heißt es in der Auswertung. Dies  könne eine zunehmende Entstigmatisierung bedeuten, aber auch, dass Personen, die offen mit ihrer Depression umgehen, möglicherweise eher gewillt sind, an solch einer Befragung teilzunehmen (Selektionseffekt). Die Personen, die ihre Führungskraft über ihre Depression informiert hatten, stuften deren Mitgefühl als relativ hoch ein. Sie hatten aber auch Bedenken, dass ihre Führungskraft die Auswirkungen der Erkrankung unterschätzen würde.

Außerbetriebliche Unterstützung wird häufiger genutzt als betriebliche Angebote

Gefragt, welche Unterstützungs-/Anpassungsmaßnahmen am Arbeitsplatz sie genutzt haben, nannten die Betroffenen am häufigsten die flexible Gestaltung von Arbeits- und Pausenzeiten, die Möglichkeit zum Homeoffice bzw. zum mobilen Arbeiten und die Reduzierung ihrer Arbeitszeit. Die Befragung zeigte auch, dass außerbetriebliche Unterstützungsangebote (z. B. medizinische Behandlung, Unterstützung durch das soziale Umfeld, Angebote des Reha- und Versorgungssystems) deutlich häufiger wahrgenommen werden als innerbetriebliche Unterstützungsangebote (z. B. Betriebliches Eingliederungsmanagement, Schwerbehindertenvertretung, Betriebsarzt oder arbeitspsychologischer Dienst). Die Ergebnisse deuteten damit auf eine größere Reichweite außerbetrieblicher Unterstützungsstrukturen hin, heißt es in der Auswertung. Es lasse sich daraus aber nicht ableiten, ob außerbetriebliche Angebote grundsätzlich wirksamer als innerbetriebliche Angebote sind.

In ihrem Fazit kommt die Auswertung zu dem Schluss, dass beispielsweise ein unterstützendes Führungsverhalten und flexible Arbeitszeiten für die berufliche Teilhabe von Menschen mit Depressionen besonders wichtig sind. Arbeitgeber könnten die Zufriedenheit betroffener Beschäftigter durch einen offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen und gut zugängliche Unterstützungsangebote fördern, die auch Personen erreichen, die sich dagegen entscheiden, im Job über ihre Erkrankung zu sprechen.

Die nicht repräsentativen Ergebnisse dieser Online-Befragung sollen in die geplante Neuauflage der Ausgabe der Reihe REHADAT-Wissen zum Thema „Depressionen im Arbeitsleben“ einfließen.

REHADAT ist ein Projekt des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e. V., gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus dem Ausgleichsfonds.

Zu den Ergebnissen der Umfrage „Depressionen im Arbeitsleben“

(Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft Köln)