Psychische Gesundheit von jungen Menschen immer noch schlechter als vor der Pandemie
Ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen fühlt sich aufgrund der gegenwärtigen Krisen psychisch belastet. Mädchen und junge Frauen klagen häufiger über depressive Verstimmungen oder Ängste als Jungen und junge Männer. Das sind zwei zentrale Ergebnisse der 8. Befragungsrunde der COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Die Forschenden beobachteten aber auch, dass Kinder und Jugendliche in der Lage sind, mit ihren Sorgen umzugehen.
Neben Kriegen und Terrorismus fürchten sich die Heranwachsenden neuerdings auch vor einer Spaltung der Gesellschaft und vor Zuwanderung, ist in der Pressemitteilung des UKE zu lesen. Die Studie zeige immer noch eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu den Daten vor der Corona-Pandemie. Dabei ist psychische Belastung nicht mit Behandlungsbedarf gleichzusetzen: Viele junge Menschen entwickelten starke Bewältigungsstrategien und verfügten über persönliche Ressourcen, heißt es weiter. Diese sollten möglichst schon in der Schule gefördert werden, um die mentale Gesundheit der jungen Generation nachhaltig zu stärken.
Den UKE-Forschenden zufolge hatte sich die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen zu Beginn der Pandemie im Jahr 2020 deutlich verschlechtert, in den Jahren 2022 und 2023 wieder verbessert und stagniert jetzt auf einem stabilen Niveau. Auffällig sei, dass Mädchen und junge Frauen häufiger unter psychischen Belastungen leiden als ihre Altersgenossen. Bezüglich depressiver Symptome sei bei den weiblichen Befragten der Anteil von 11 auf 17 Prozent; mit Blick auf Angstsymptome der Anteil von 20 auf 31 Prozent gestiegen.
Stabile Verhältnisse und Unterstützung verbessern mentale Gesundheit
Die COPSY-Studie ergab auch, dass die Folgen der Pandemie die Kinder und Jugendlichen kaum noch beschäftigen. Als Belastungen wurden aktuell vielmehr Kriege (70 Prozent), Terrorismus (62 Prozent), wirtschaftliche Unsicherheit (57 Prozent) und die Klimakrise (49 Prozent) genannt. Etwa die Hälfte der Befragten äußerte Ängste wegen einer Spaltung der Gesellschaft (56 Prozent) bzw. aufgrund von Zuwanderung (51 Prozent).
Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit, stabile soziale Verhältnisse und unterstützende familiäre Strukturen tragen den Forschenden zufolge zu einer robusteren psychischen Verfassung von Kindern und Jugendlichen bei. Dagegen hätten Kinder aus bildungsfernen Haushalten, die unter engen Wohnbedingungen leben und deren Eltern psychisch belastet sind, ein deutlich erhöhtes Risiko für psychische Beeinträchtigungen. Für sie brauche es niedrigschwellige Angebote in Schulen und im sozialen Umfeld, „um diesen sozialen und gesundheitlichen Ungleichheiten zu begegnen“.
Über die Studie
In der COPSY-Studie (Child Outcomes in PSYchology) untersuchen die UKE-Forschenden die Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie und globaler Krisen auf die seelische Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Es ist das einzige langfristige Gesundheitsmonitoring zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Insgesamt haben 3.312 Familien mit Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 23 Jahren an mindestens einer Befragungswelle der COPSY-Studie von Mai 2020 bis Oktober 2025 teilgenommen, an der 8. Befragungswelle beteiligten sich 1.607 Familien.
Zur COPSY-Studie auf der Website des UKE
(Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)