Expertise zur inklusiven Berufsorientierung
Der Paritätische Gesamtverband hat eine, in seinem Auftrag erarbeitete Expertise zur inklusiven Berufsorientierung veröffentlicht. Neben einer ausführlichen Problemanalyse umfasst die Publikation zentrale Handlungsempfehlungen für eine inklusive Ausgestaltung der Fachpraxis.
Für junge Menschen mit Benachteiligungen bzw. Behinderungen sei der Einstieg in eine Ausbildung oder in einen Beruf nach dem Schulabschluss „sowohl eine besonders vulnerable biografische als auch lebenslaufentscheidende Phase“, heißt es in der Einführung. Ihnen stünden oft weniger Möglichkeiten für ihren beruflichen Werdegang zur Verfügung; Übergänge würden sich aufgrund der institutionellen Orientierungsangebote „weniger entscheidungsoffen und selbstbestimmt“ vollziehen. Die Expertise geht von einem erweiterten Inklusionsbegriff aus, der nicht nur Behinderung, sondern auch andere Merkmale wie zum Beispiel Migration und Geschlecht als Differenzkategorien berücksichtigt.
Im ersten Teil der über 50 Seiten umfassenden Expertise beschreiben die Autorinnen und Autoren zunächst wesentliche Herausforderungen einer inklusiven Berufsorientierung. Außerdem arbeiten sie heraus, dass Angebote zur Berufsorientierung sich meistens auf das Individuum konzentrieren und damit institutionelle Kontexte sowie gesellschaftliche Macht- und Ungleichheitsverhältnisse, d. h. beispielsweise unterschiedlich große Ressourcen und Spielräume zur Gestaltung von Berufsbiografien bei jungen Menschen, vernachlässigen.
Inklusive Berufsorientierung verlangt Perspektivwechsel
Die Problemanalyse im zweiten Teil greift gängige Kompetenzfeststellungsverfahren als Praktiken des Messens, Diagnostizierens und Kategorisierens und die häufige Orientierung an standardisierten Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt auf. Zudem werden in diesem Abschnitt Selektionsprozesse in der Beratung und Begleitung thematisiert, die junge Menschen in ihrer selbstbestimmten beruflichen Orientierung weniger unterstützen, sondern vielmehr steuern würden.
Abschließend benennen die Autorinnen und Autoren der Expertise acht Handlungsempfehlungen für eine inklusive Berufsorientierung. Dazu zählen nach ihrer Auffassung u. a. ein Perspektivwechsel, der den Blick nicht auf vermeintlich unzureichende Kompetenzen junger Menschen beschränkt, eine an der Biografie orientierte und partizipativ ausgerichtete Bedarfsklärung, die Einbindung der Jugendhilfe bzw. Jugendsozialarbeit und das Ziel, die jungen Menschen umfassend über ihre Rechte und damit verbundenen Ansprüche zu informieren.
Weitere Informationen
Die Expertise steht auf der Website des Paritätischen unter „Publikationen“ zum Download bereit.
(Quelle: Der Paritätische Gesamtverband)