19.03.2020

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Menschen mit Behinderungen

Im Kontext der Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19) hat eine zunehmende Anzahl an Einrichtungen der Behindertenhilfe in Deutschland bereits geschlossen. Damit Menschen mit Behinderungen oder psychischer Erkrankung auch weiterhin eine bedarfsgerechte Versorgung erhalten, fordern die Fachverbände der Menschen mit Behinderungen für betroffene Dienste und Einrichtungen verlässliche Rahmenbedingungen.

Nicht nur die Schließung von Werkstätten und anderen Orten der Leistungserbringung hat große Auswirkungen auf Menschen mit Behinderungen, ihre Familien und Angehörigen. Die Fachverbände für Menschen mit Behinderung setzen sich dafür ein, dass bei den aktuellen Entwicklungen und den getroffenen Schutzmaßnahmen Menschen mit Behinderungen oder psychischer Erkrankung besonders geschützt und unterstützt werden: „Die gesamte Betreuung und Begleitung durch die Dienste und Einrichtungen der Eingliederungshilfe in Deutschland muss unterstützt werden: Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung sind einerseits auf Menschen zu ihrer täglichen Unterstützung angewiesen, andererseits haben sie ein besonderes Risiko, schwer zu erkranken.“ Unabdingbar sei ein Rettungsschirm zur sicheren Finanzierung der Leistungserbringer, um das Unterstützungssystem funktionsfähig zu halten. Zu den dringlichsten Aufgaben gehöre, dass die Betreuung durch ausreichend Personal gewährleistet bleibe. Zur Vermeidung der Ausbreitung des Virus müsse die Prävention abgesichert und mit Infektionen fachgerecht umgegangen werden. Hierzu es unabdingbar, die Dienste und Einrichtungen mit Schutzkleidung und Desinfektionsmittel zu versorgen. Auch müsse die Versorgung mit notwendigen Medikamenten gewährleistet werden.

Auch der teilhabepolitische Sprecher der FDP-Bundestagesfraktion Jens Beeck fordert einen Rettungsfonds für Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Sozialwirtschaft: „Viele Einrichtungen der Behindertenhilfe und Sozialwirtschaft mussten wegen des Corona-Virus schließen. Im Gegensatz zu Unternehmen steht für sie jedoch noch keine Hilfe bereit. Die Rettungsmaßnahmen müssen dringend auch diese Einrichtungen umfassen", sagte Jens Beeck den kobinet-Nachrichten.

WfbM in NRW schließen weitgehend

Nach einem Erlass des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen bleiben Werkstätten, Tagesstätten und andere Tagesangebote für Menschen mit Behinderungen für zunächst viereinhalb Wochen geschlossen. Die Weisung des Ministeriums sieht allerdings Ausnahmen vor für Personengruppen, deren Betreuung weiter gewährleistet werden muss. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) begrüßt den Erlass, appelliert aber auch an Träger, Ausnahmemöglichkeiten offensiv zu nutzen: „Das Recht auf Betreuung und der Schutz der Gesundheit müssen gemeinsam gesichert werden“, erklärt LVR-Sozialdezernent Dirk Lewandrowski.

Persönliche Begutachtung durch den MDK ausgesetzt

Indes haben die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) jedwede Form der körperlichen Untersuchung ausgesetzt, um besonders verletzliche Personengruppen wie zum Beispiel pflegebedürftige Menschen zu schützen. „Die MDK-Gemeinschaft hat festgelegt, dass zum Schutz der pflegebedürftigen und vorerkrankten Menschen ab sofort keine persönlichen Begutachtungen in Pflegeheimen und in eigener Häuslichkeit zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit erfolgen“, sagt Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS. Stattdessen würden die Medizinischen Dienste die Einstufung in Pflegegrade auf Basis der bereits vorliegenden Informationen und eines ergänzenden Telefoninterviews mit den Pflegebedürftigen bzw. ihren Bezugspersonen vornehmen.

Menschen mit Behinderungen rufen auf Facebook und Co. zu solidarischem Verhalten auf

In den sozialen Medien haben Menschen mit Behinderungen auf ihre besondere Gefährdungssituation hingewiesen. So seien zum Beispiel Atemwegserkrankungen und eine geschwächte Atmung infolge von Muskelerkrankungen, Diabetes mellitus oder einer Krebserkrankung sowie geschwächte Organe und ein geschwächtes Immunsystem ein besonderes Risiko. Unter dem #Risikogruppe beispielsweise rufen sie zur Solidarität auf. Jede und jeder Einzelne habe die Verantwortung sich zu schützen, um das Coronavirus nicht zu übertragen. Vor allem nicht an Menschen, die besonders gefährdet seien.

Auf der Webseite dieneuenorm.de hat der Verein Sozialhelden Informationen hierzu sowie Links, barrierefreie Hintergrundinformationen und Anlaufstellen zusammengefasst.

Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache

Es gibt im Internet inzwischen verschiedene, auch regionale, Informationen zum Coronavirus und Infektionsschutz in Leichter Sprache, u. a.:

Informationen des Bundesgesundheitsministeriums

Aktuelle Nachrichten des Norddeutschen Rundfunks, u. a. zum Coronavirus, in Leichter Sprache:

Nachrichten in Leichter Sprache

Weitere Informationen

Corona-Seite der Aktion Mensch

Zur Medienmitteilung der Fachverbände für Menschen mit Behinderung auf der Webseite diefachverbaende.de

(Quellen: Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen; Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V.; Kooperation Behinderter im Internet e. V.; Landschaftsverband Rheinland; Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e. V.; Sozialhelden e.V.)