13.08.2025

Appell zum Erhalt von Institutionen der Disability Studies

Mehr als 150 Forschende aus dem In- und Ausland haben sich gegen die drohende Schließung zentraler Institutionen der Disability Studies ausgesprochen. In einem gemeinsamen Appell fordern der Verein Disability Studies Deutschland e.V. (DSD) und die Arbeitsgemeinschaft Disability Studies den Erhalt zweier gefährdeter Institute in Hamburg und Köln.

Disability Studies ist eine interdisziplinär und international ausgerichtete Wissenschaft, das sich mit der Analyse der Behinderung als soziales Phänomen befasst. Von Sparmaßnahmen oder von einer Schließung bedroht sind nun mit dem Zentrum für Disability Studies und Teilhabeforschung (ZeDiSplus) an der Evangelischen Hochschule Hamburg sowie der Internationalen Forschungsstelle für Disability Studies (iDiS) an der Universität zu Köln zwei Pioniereinrichtungen dieses Forschungsgebiets. Das ZeDiSplus soll laut Hamburgischem Senat als eigenständiges Zentrum über das Jahr 2025 hinaus nicht fortgeführt werden, damit endet eine bundesweit einmalige Interdisziplinäre Professur für Disability Studies und Teilhabeforschung. Die Forschungsstelle iDis verbindet Sozial- und Kulturwissenschaften mit einer grundlagentheoretischen Orientierung der Professur und ist mit aktuellen Sparplänen des Landes Nordrhein-Westfalen konfrontiert.

Der Appell ist direkt an Hamburgs Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal und NRW-Ministerin Ina Brandes gerichtet. Er unterstreicht, dass Hochschulen und Universitäten zentrale Akteurinnen bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechts­konvention und der Förderung einer inklusiven, barrierefreien Gesellschaft sind. Der Abbau von Disability Studies widerspreche diesem öffentlichen Auftrag.

Die Finanzierung von bestehenden Lehr- und Forschungsstrukturen der Disability Studies müsse dauerhaft und verlässlich sichergestellt werden. Damit Disability Studies ihre kritisch-emanzipatorische Perspektive wirksam entfalten können, müsse sichergestellt sein, dass sie institutionell unabhängig von den etablierten Strukturen und Disziplinen der traditionellen ‚Behindertenhilfe‘ sind. Nötig sei zudem die strukturelle Einbindung fachlich ausgewiesener Expertise, insbesondere von Forschenden mit Behinderungen in leitender Funktion.

Zum vollständigen Appell und der Liste der Erst-Unterzeichnenden:

Disability Studies bedroht: Kritisch-emanzipatorische Wissenschaft schützen und stärken!

(Quelle: Arbeitsgemeinschaft Disability Studies, Disability Studies Deutschland e.V.)