Pädagogik bei chronisch-somatischen Krankheiten
Veranstaltungsreihe
22.04.2026-01.07.2026
Online
Der Lehrstuhl für Pädagogik bei körperlichen und komplexen Behinderungen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg bietet im Sommersemester 2026 eine Online-Veranstaltungsreihe zur „Pädagogik bei chronisch-somatischen Krankheiten“ an. In Deutschland leben ca. 24 % aller Kinder und Jugendlichen mit einer chronischen (somatischen/ psychischen/ psychosomatischen) Erkrankung (Lohaus/Heinrichs 2013). In der Veranstaltung soll eruiert werden, welche Folgen sich hieraus für die betroffenen Kinder- und Jugendlichen ergeben und welche Implikationen daraus für die Pädagogik abgeleitet werden können. Hierfür werden medizinische Grundlagen ausgewählter somatischer Erkrankungen (z. B. entzündliche Darmerkrankungen, Epilepsie, ME / CFS / Long Covid) thematisiert und potenzielle Konsequenzen für die Pädagogik diskutiert. Ein
weiterer Fokus liegt auf Aspekten des Umgangs mit krankheitsspezifischen Herausforderungen und weiteren relevanten Themenfeldern in pädagogischen Kontexten (z.B. Sichtbarkeit im Leben mit einer Erkrankung, Lebensthemen junger Menschen mit progredienten Erkrankungen, schulisches Eingliederungsmanagement nach längerer Fehlzeit, Exkurs zu Neurodiversität).
Die Reihe richtet sich an Lehrkräfte, Studierende und weitere Interessierte und beleuchtet medizinische Grundlagen sowie pädagogische Konsequenzen im Umgang mit chronischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Die kostenfreien Veranstaltungen finden mittwochs von 16:15 bis 17:45 Uhr via Zoom statt (ab dem 22.04.2026). Thematische Schwerpunkte sind u. a. Epilepsie, Long Covid/ME/CFS, chronische Darmerkrankungen, schulisches Eingliederungsmanagement sowie Fragen von Sichtbarkeit, Teilhabe und Neurodiversität.
Anmeldung: Lehrstuhl für Pädagogik bei körperlichen und komplexen Behinderungen
Bitte senden Sie eine E-Mail an: info-k-lehrstuhl@uni-wuerzburg.de mit dem Betreff „Pädagogik bei Krankheit“. Sie erhalten dann die Zugangsdaten für alle Termine.
Programmübersicht
22.04.26: Auftaktveranstaltung – Thematische und begriffliche Grundlagen
Dieser Termin stellt die Auftaktveranstaltung der Veranstaltungsreihe dar. Es erfolgt eine thematische Einführung in Gegenstand, grundlegende Aufgaben und Zielgruppe der „Pädagogik bei Krankheit“ mit spezifischem
Blick auf Kinder und Jugendliche mit chronischsomatischen Erkrankungen. Studienergebnisse zur Prävalenz und zur (schulischen) Lernsituation der Betroffenen werden vorgestellt und hinsichtlich ihrer Relevanz für die Pädagogik diskutiert.
K. Höglinger
29.04.26: Krankheit – Eine multidimensionale Betrachtung
Bei diesem Termin der Veranstaltungsreihe wird mit dem Begriff „Krankheit“ eine entscheidende thematische Grundlage der Veranstaltungsreihe erschlossen. Der Krankheitsbegriff wird aus unterschiedlichen Perspektiven (z. B. bio-medizinisch, bio-psycho-sozial, soziologisch, salutogenetisch) betrachtet und jeweils hinsichtlich seiner Bedeutung für die Pädagogik und Implikationen für die pädagogische Praxis diskutiert.
K. Höglinger
06.05.26: Epilepsie – Herausforderungen im schulischen Alltag
Bei diesem Termin der Veranstaltungsreihe wird mit der Epilepsie eine konkrete Erscheinungsform chronischsomatischer Krankheit im Kindes- und Jugendalter thematisiert. In der Veranstaltung kommen folgende Themen zur Sprache:
- Anfallsformen im Kindes- und Jugendalter
- Diagnostik und Therapie
- Anfallserleben aus Sicht der Kinder und der Eltern
- Zusammenarbeit mit Eltern und Ärzten, Schweigepflicht
- Erste Hilfe, Notfallversorgung und Anfallsbeobachtung
- Wie erkläre ich dem Kind und der Klasse die Krankheit?
- Vorstellung von Materialien für den Unterricht
Sie können auch Fragen stellen und Fallbeispiele mitbringen.
S. Fuchs
13.05.26: Long Covid/ MECFS
Bei diesem Termin der Veranstaltungsreihe werden mit Long Covid und dem Chronischen Fatiguesyndrom ME/CFS konkrete Erscheinungsformen chronisch-somatischer Krankheit im Kindes- und Jugendalter thematisiert.
Lange Zeit wurden postinfektiösen Folgeerkrankungen kaum Aufmerksamkeit beigemessen. Dies ist bemerkenswert, denn diese Erkrankungen sind weder neu noch selten und haben für die Betroffenen teilweise schwerste und andauernde Alltagseinschränkungen zur Folge, die die soziale, berufliche und auch Bildungsteilhabe massiv beeinträchtigen können. Im Zuge der Coronapandemie und dem Auftreten von „Long
Covid“ rücken diese Erkrankungen mehr in den Blick und es zeigt sich, dass sie eine große Herausforderung für Medizin und Gesellschaft darstellen.
In dieser Ringvorlesung beschäftigen sich die Teilnehmenden mit Long Covid und dem Chronischen Fatiguesyndrom ME/CFS. Dazu werden zunächst die Krankheitsbilder grob umrissen und abgegrenzt sowie daraus resultierende Einschränkungen betrachtet. Anschließend wird die gesellschaftliche Ebene betrachtet, um zu fragen, weswegen die Anerkennung dieser Erkrankungen offenkundig so große Probleme bereitet. Im letzten Teil der Ringvorlesung geht es um mögliche Folgerungen und Impulse für die Gestaltung von Bildungsangeboten. Es soll auch Raum für Austausch und Fragen bleiben.
E. Klinkisch
20.05.26: Funktionelle Magen-/Darm-Beschwerden und/oder entzündliche Darmerkrankungen
Bei diesem Termin der Veranstaltungsreihe werden konkrete Erscheinungsformen chronischsomatischer Krankheit im Kindes- und Jugendalter thematisiert: Funktionelle Magen-/Darm- Beschwerden und entzündliche Darmerkrankungen.
In der Veranstaltung kommen folgende Themen zur Sprache:
- Krankheitsanzeichen und Symptome chronisch entzündlicher Darmerkrankungen wie Morbus Crohn
- oder Colitis Ulcerosa, sowie funktioneller Magen-/Darm-Beschwerden wie Reizmagen und Reizdarmsyndrom (IBS)
- Auswirkungen auf die Lern- und Lebenswelt der Betroffenen und potenzielle psycho-soziale Folgen
- Potenzielle Herausforderungen in pädagogischen Kontexten und Lösungsvorschläge
K. Höglinger
27.05.26: Leben mit einer sichtbaren chronischen Erkrankung
Bei diesem Termin der Veranstaltungsreihe wird das Leben mit einer Erkrankung, die sich nicht verbergen lässt, thematisiert. Es wird aufgezeigt, wie sich körperliche Verletzlichkeit, organisatorischer Alltag und öffentliche Präsenz miteinander verbinden lassen. Selbstbestimmung, der Alltag mit einer sichtbaren chronischen Erkrankung sowie der Umgang mit Sichtbarkeit in den sozialen Medien stehen im Mittelpunkt. Es wird beleuchtet, wie soziale Medien zur Plattform für Aufklärung und Selbstvertretung werden können und welche Spannungsfelder daraus entstehen. Gesellschaftliche Narrative, mediale Bilder von Behinderung und Erwartungshaltungen werden analysiert und kritisch eingeordnet, während auf der anderen Seite persönliche Erfahrungen beleuchtet werden. So werden fachliche Reflexion und gelebte Praxis miteinander verbunden.
C. Ziegler (IG: schmetterlingclara)
03.06.26: Schulisches Eingliederungsmanagement (SEM)
Bei diesem Termin der Veranstaltungsreihe wird der Übergang zurück in die Stamm-/Heimatschule nach längerer Fehlzeit thematisiert.
Das Rahmenkonzept SEM ist eine Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen, die hohe krankheits- oder belastungsbedingte Fehlzeiten haben, mithilfe eines strukturierten Handlungsleitfadens eine möglichst vollständige Teilhabe an Bildung zu ermöglichen. Im Gastvortrag wird das Konzept vorgestellt, es werden Wege und Maßnahmen aufgezeigt, wie beispielsweise eine stufenweise Wiedereingliederung, die Festlegung von Nachteilsausgleichen oder ein Rückkehrgespräch nach längerer Fehlzeit eine erfolgreiche Beschulung begünstigen können.
C. Krüssel
10.06.26: Lebensthemen von jungen Menschen mit lebensverkürzender oder lebensbedrohlicher Erkrankung
Bei diesem Termin der Veranstaltungsreihe werden die Lebensthemen junger Menschen mit lebensverkürzender oder lebensbedrohlicher Erkrankung thematisiert.
Erhalten Kinder oder Jugendliche die Diagnose einer lebensverkürzenden oder lebensbedrohlichen Erkrankung, verändert sich ihr Leben grundlegend. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung steht die Frage, welche Themen sie selbst als besonders bedeutsam für ihr Leben erleben. Vorgestellt werden Ergebnisse des vom BMFSFJ geförderten Forschungsprojekts FamPalliNeeds (2020–2023), in dem erstmals die Sichtweisen erkrankter junger Menschen umfassend empirisch untersucht wurden. Der Vortrag präsentiert fünf zentrale Lebensthemen der befragten Kinder und Jugendlichen und reflektiert deren Bedeutung für die pädagogische, insbesondere bildungsbezogene und psychosoziale Praxis. Anschließend besteht Raum für Austausch und Diskussion darüber, wie Fachkräfte, Bildungsinstitutionen und Begleitpersonen die Lebenswelten junger Menschen mit lebensverkürzender Erkrankung besser verstehen und (mit-)gestalten können.
S. Jennessen & K. Fellbaum
24.06.26: Exkurs: Neurodiversität
An diesem Termin der Veranstaltungsreihe findet ein Exkurs zum Thema „Neurodiversität“ statt. In der Veranstaltung kommen folgende Themen zur Sprache:
- Thematische Grundlagen zur Neurodiversität
- Bedeutung von Neurodiversität für die Lern- und Lebenswelt
- Potenzielle Herausforderungen in pädagogischen Kontexten und Lösungsvorschläge
M. Grummt
01.07.26: Abschlussveranstaltung – Pädagogik im Kontinuum von Gesundheit und Krankheit
Dieser Termin stellt die Abschlussveranstaltung der Veranstaltungsreihe dar. Es erfolgt eine Synthese der Erkenntnisse aus den vorherigen Einheiten. Dabei wird exemplarisch aufgezeigt, welche Anfragen die Phänomene Gesundheit und Krankheit an die Pädagogik stellen. Sodann wird die „Pädagogik im Kontinuum von Gesundheit und Krankheit“ als eine mögliche Antwort auf jene Anfragen vorgestellt. Grundannahmen,
Zielsetzungen und Wege bzw. Vorgehensweisen jener Pädagogik werden konkretisiert und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Gestaltung pädagogischer Praxis diskutiert.
Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU Würzburg)
Pädagogik bei Krankheit
Dr. Katja Höglinger
Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Pädagogik bei körperlichen und komplexen Behinderungen
Tel.: 0931 31-82761
E-Mail: katja.hoeglinger@uni-wuerzburg.de
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