Wie lassen sich Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf in den Arbeitsbereich der Werkstatt integrieren?

26.-27.11.2019
Kassel

Menschen, die ein sogenanntes "Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung" nicht erbringen können, erfüllen nicht die Anspruchsvoraussetzungen für eine Aufnahme in die WfbM und haben kein Anrecht auf einen Platz in einer WfbM. Sie werden in besonderen Gruppen gefördert und betreut, die als Tagesförderstätten oder Förder- und Betreuungsgruppen (FuB) teils an WfbM angegliedert, teils in anderer Trägerschaft separat organisiert sind.

In der Fachöffentlichkeit, unter den Wohlfahrtsverbänden und auch in den Arbeitsgemeinschaften der Werkstätten für behinderte Menschen hat sich in den letzten Jahren die Meinung durchgesetzt, dass diese gesetzliche Regelung eine zusätzliche Aussonderung bewirken, die nicht mehr zeitgemäß ist, und dass es unterhalb der WfbM keine weitere Einrichtungsstruktur geben sollte. Leider hat sich diese Überzeugung beim Erlass des Bundesteilhabegesetzes nicht durchgesetzt. Die Tagesförderstätten bzw. FuBs bestehen fort, es wurde lediglich eine engere Zusammenarbeit nahegelegt. Damit bleibt es bei der Tatsache, dass viele Schulabgänger mit Behinderung weiterhin direkt in die Förder- und Betreuungsbereiche wechseln, weil ihre Beeinträchtigungen zu schwerwiegend erscheinen, um im Berufsbildungsbereich oder perspektivisch im Arbeitsbereich der Werkstätten für Menschen mit Behinderung aufgenommen zu werden.

Diese Fachtagung geht das Thema der Arbeitsintegration von Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf nicht von der rechtlichen Seite an, sondern sie stellt ganz praktisch die Frage: Wie kann die Integration in die Werkstatt gelingen? Welche strukturellen, finanziellen und inhaltlichen Veränderungen sind notwendig, um Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf den Weg in die WfbM zu ermöglichen? Die auf der Tagung vorgestellten Praxisbeispiele zeigen, dass dies auch unter den geltenden gesetzlichen Voraussetzungen gelingen kann, und zwar sowohl im Berufsbildungs- als auch im Arbeitsbereich. Erforderlich sind dazu ein erklärter Wille aller Beteiligten sowie strukturelle und personelle Veränderungen in der WfbM, insbesondere die Sicherstellung des zusätzlichen Unterstützungsbedarfs in der Werkstatt statt in Förder- und Betreuungsgruppen. Eine Zusatzerkenntnis: Sieht man von den Umstellungskosten ab, ist die "inklusive Werkstatt" nicht teurer als eine getrennte Betreuung.

Alle, die einen solchen Weg beschreiten wollen, finden dafür auf dieser Tagung Beispiele und Anregungen. Sie werden ermutigt, den Teilhabeansprüchen von Menschen mit schweren Behinderung Rechnung zu tragen und ihre Teilhabeleistungen im Sinne einer Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention weiterzuentwickeln.

53° NORD Agentur und Verlag (53° NORD)

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Annette Peth, Martin Lenkewitz
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34134 Kassel

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