Menschen mit Behinderungen als Peers in der beruflichen Teilhabe und als entlohnte Experten in eigener Sache

11.-12.11.2019
Hamburg

Peer Counseling bedeutet: Menschen mit speziellen Erfahrungen geben ihr Wissen an andere Personen weiter, die sich in einer vergleichbaren Situation befinden. Der Psychiatrie-Bereich hat den Peer-Gedanken schon früh in den sogenannten EX-IN-Projekten umgesetzt: Psychiatrieerfahrene werden zu Peer-Begleitern. Sie unterstützen im klinischen Kontext Neu- oder Wiedererkrankte, zwar nicht in therapeutischer, aber in psychosozialer Funktion.

Mittlerweile hat sich der Peer-Gedanke auf die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung ausgedehnt und hält auch Einzug in den Werkstättenbereich. Beispiele für Einsatzfelder:

  • Speziell geschulte Peers begrüßen neu eingestellte Mitarbeiter der Werkstatt und versorgen sie mit Grundinformationen.
  • Werkstattbeschäftigte, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sind, geben ihre Erfahrungen an Schulabgänger oder Interessierte aus Werkstätten weiter.
  • Beschäftigte berichten vor Besuchern, Eltern, Lehrern oder Studenten über ihre beruflichen Erfahrungen.

Expertentum in eigener Sache kann auch in anderer Form zum Arbeitsfeld werden: 

  • Menschen mit Behinderung vermitteln ihr Wissen zu ihrer Lebenswelt und ihren spezifischen Bedarfen an Teilnehmer von Kongressen, Tagungen und Seminaren.
  • Sie forschen nach dem Ansatz der Community-embedded Science in universitären Projekten zu ihrer Lebenswirklichkeit und unterrichten Lehr-, Fach- und Führungskräfte.
  • Sie evaluieren die Qualität von Wohn- und Arbeitsangeboten aus der Sicht der Betroffenen.
  • Sie überprüfen Texte nach den Regeln der „leichten Sprache“ auf Verständlichkeit.

Diese Tagung gibt einen Überblick über Anwendungsgebiete des Peer- und Experten-Ansatzes in Werkstätten und Fachdiensten und beschreibt Arbeitsfelder, die daraus resultieren. Die Referenten stellen Schulungsangebote vor und berichten über ihre Arbeit und ihre Arbeitsbedingungen. Es wird deutlich, dass Betroffenheit allein nicht ausreicht, um als Experte zu arbeiten. Beratungstätigkeit setzt spezielle personelle Fähigkeiten und Beratungswissen voraus und auch die Qualitätsprüfung von Einrichtungen oder die Verbesserung der Verständlichkeit von Texten muss intensiv geschult werden. In Werkstätten verändert das Peer-Konzept die übliche Rollenfestlegung. Neben den neuen Arbeitsfeldern ermöglicht es mehr Mitwirkung, Eigenverantwortlichkeit und Anerkennung für Beschäftigte.

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