Inklusion kind- und jugendgerecht gestalten

20.10.2022
Online

Inklusion ist seit Jahren Anspruch in der Jugendhilfe und Jugendarbeit. Die Organisationen im Arbeitsfeld haben viele Anstrengungen unternommen, inklusiver zu werden. Je differenzierter auf die Inklusion geschaut wird, desto facettenreicher werden Bedarfe und Ansprüche, Bestrebungen und Diskurse. Über Jugendhilfe und -arbeit hinaus wird Inklusion auch immer stärker zum politischen Anspruch. Der Koalitionsvertrag etwa setzt Wegmarken zu einer inklusiven Gesellschaft – weit über den engen Inklusionsbegriff hinaus.

Die digitale Fachveranstaltung „Inklusion kind- und jugendgerecht gestalten“ im Haus der Jugendarbeit und Jugendhilfe will den Sachstand sichtbar machen und Forderungen für eine kind- und jugendgerechte Inklusion herausarbeiten.

PROGRAMM

15:00 Uhr  Begrüßung und Eröffnung
Mike Corsa (Vorsitzender HdJ e. V.)
Tagesmoderation: Maja Wegener (HdJ-Geschäftsführerin)

15:10 Uhr  Impuls "Inklusion kind- und jugendgerecht gestalten: leicht gesagt, und nun?"
Dr. Thomas Meysen, SOCLES

15:50 Uhr  Sessions (die folgenden vier Sessions laufen zeitlich parallel)

Inklusive Formate für eine politische Bildung für alle
Wann gelingt Inklusion in der politischen Bildung? Wenn alle Menschen ungeachtet ihrer möglichen Beeinträchtigung, ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihres Alters gleichberechtigt und selbstbestimmt an Bildungsangeboten teilhaben können. Wenn die Zugänge zu den Räumen politischer Bildung im weitesten Sinne barrierefrei sind und es genügend Unterstützung gibt, mögliche Hürden zu überwinden. Leider ist dies bisher nur selten gegeben. Einrichtungen politischer Bildung haben sich auf unterschiedliche Weise auf den Weg gemacht, dieses Defizit zu überwinden und wirkliche Inklusion zu gestalten. In diesem Workshop werden Beispiele guter Praxis vorgestellt und wird gezeigt, welche Rahmenbedingungen es braucht, um dem Anspruch einer „Politischen Bildung für alle“ wirklich gerecht zu werden. Daraus ergeben sich politische Forderungen, die in diesem Workshop formuliert werden sollen.
Referent*in: Andrea Keller, Freiberufliche Mitarbeiterin im ABC Bildungs- und Tagungszentrum e. V.
Verantwortlich: Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V.

Inklusion gestalten! Verfahrenslotsen als Chancenöffner für die Gesamtzuständigkeit
Ab dem Jahr 2024 sollen Verfahrenslotsen junge Menschen mit Beeinträchtigung und ihre Familien individuell bei der Wahrnehmung ihrer Rechte unterstützen und begleiten. Die Verfahrenslotsen sollen zudem die Jugendämter bei der für das Jahr 2028 geplanten Zusammenführung der Leistungen der Eingliederungshilfe unter einem Dach unterstützen – ihnen also bei der Vorbereitung der „großen“ Lösung helfen. Welche Erwartungen sind mit dieser Doppelfunktion verbunden? Was unterscheidet Verfahrenslotsen von anderen Beratungsangeboten? Welche Überlegungen und Ansätze gibt es für die Umsetzung? Was ist jetzt zu tun, damit Verfahrenslotsen der Zusammenführung der Schnittstellen zum Erfolg verhelfen? Und wie können die Träger der Eingliederungshilfe und der Kinder- und Jugendhilfe diese Gemeinschaftsaufgabe stemmen und vorrangig an der Perspektive der Adressat*innen ausrichten?
Referent*innen: Lisa Eisenbarth, Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (bvkm), und Angela Smessaert, Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ
Verantwortlich: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ

Was braucht inklusive Jugendarbeit?
Am 10. Juni 2021 ist das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG ) in Kraft getreten. Das Ziel ist ein wirksameres und inklusiveres Kinder- und Jugendhilferecht. Eltern und deren Kinder sollen ihre Rechte besser verwirklichen und sich mehr an den Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe beteiligen können. Der § 11 „Jugendarbeit“ fordert u.a. dass Angebote der Jugendarbeit an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden sollen und die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit für junge Menschen mit Behinderungen sichergestellt werden muss. In der Session sollen anhand eines Projektes der Bundesvereinigung der Lebenshilfe „Mit den Augen von Jugendlichen“ die Wünsche, Bedürfnisse und Bedarfe von Fachkräften sowie Jugendlichen (auch) mit Blick auf den Kinder- und Jugendschutz diskutiert werden.
Referent*innen: Helen Ghebremicael, Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V., und
Katharina Przybylski, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW), Department Soziale Arbeit
Verantwortlich: Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ)

Inklusion im SGB VIII und in der Kinder- und Jugendarbeit
Mit dem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) wurde innerhalb des Paragraf 11 SGB VIII der Auftrag konkretisiert: (Allen) jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Das schließt Menschen mit Behinderungen ein. Zugleich kommen Fragen auf: Wie kann die inklusiven Ausrichtung von Jugendarbeit so gelingen, dass die ihr eigenen Wesensmerkmale (v.a. Niedrigschwelligkeit, Pluralität von Trägern und Angeboten, Mitbestimmung und -gestaltung durch junge Menschen, ...) erhalten bleiben? Wie kann sensibilisiert werden, den Blick auf die sehr unterschiedlichen Behinderungsformen und mögliche Barrieren zu weiten? Wie kann der Öffentliche Träger seiner Sicherstellungsverpflichtung nachkommen ohne die bisherigen Angebote der Jugendarbeit zu erschweren? Und: Wie sieht es mit der Finanzierung der unvermeidbar entstehenden Kosten aus? Aus diesen Fragen leiten sich Handlungsbedarfe für die Praxis der Kinder- und Jugendarbeit ab, die im Workshop besprochen werden.
Verantwortlich: Deutscher Bundesjugendring (DBJR)

16:50 PAUSE

17:00 Uhr
Spitzengespräch „Jugendpolitische Erwartungen“
Was muss politisch passieren, um Inklusion voranzubringen? Wo liegen Fallstricke? Wo liegen Chancen?
Vorstandsmitglieder von AdB, AGJ, BAJ und DBJR diskutieren mit Bettina Bundszus, Abteilungsleiterin Jugend im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Moderation: Maja Wegener

17:30 Uhr
Ausblick und Verabschiedung

Maja Wegener, Geschäftsführerin Haus der Jugendarbeit und Jugendhilfe e. V.

Haus der Jugendarbeit und Jugendhilfe e. V. (HdJ)

Haus der Jugendarbeit und Jugendhilfe e. V.
Mühlendamm 3
10178 Berlin

Tel.: 030 400 40-510
E-Mail: info@hdj-berlin.de