„Einblicke in die Praxis“: Lerninseln – Qualifizierung vor Ort und nach Bedarf

16.11.2021
Online

Qualifizierung im Arbeitsbereich ist für Werkstätten eine wichtige Aufgabe. Im Spagat zwischen komplexer werdenden Aufträgen und dem Weggang von Leistungsträgern kommt der Anleitung "neuer Leistungsträger" eine wichtige Rolle zu. Das war auch der Ausgangspunkt eines Qualifizierungsprojektes der Elbe-Werkstätten. Vor sechs Jahren starteten sie das Konzept der Lerninsel. Die Idee: Dort, wo es den Anleitungsbedarf gibt, nämlich in den Produktionsgruppen, die notwendige Unterstützung zu bieten und das immer dann, wenn sie erforderlich ist. Mittlerweile gibt es Lerninseln in allen Standorten der 3.000 Plätze umfassenden Werkstatt, auch in den zahlreichen Außenarbeitsgruppen.

Die Besonderheit: Die Schulung übernimmt meist nicht das Personal, sondern Beschäftigte, sogenannte Mentoren, die für diese Aufgabe eine spezielle Ausbildung durchlaufen. Das Peer-Prinzip hat sich bewährt. Lerninsel-Koordinator Robert Schöne: "Oft erreichen die Mentoren die Anzuleitenden besser als die Gruppenleiter, weil diese ihr Wissen und ihre Erfahrung nicht aus der Rolle eines Vorgesetzten, sondern eines Kollegen weitergeben."

Die Ausgestaltung der Lerninseln – in Hamburg tragen sie die Bezeichnung "Elbinseln" – liegt bei den für die jeweilige Gruppe zuständigen Fachkräften. Es kann eine abgetrennte Ecke im Gruppenraum sein oder ein eigener Raum ganz in der Nähe. Oder die Anleitung erfolgt direkt am Arbeitsplatz. Die Fachkräfte sind in der Gestaltung der Lerninselidee frei, können sie an ihren Bedarf und ihre räumliche Situation anpassen.

Der Effekt des ungewöhnlichen Konzepts: Der Qualifizierungsengpass ist weitgehend behoben, die Gruppen werden effektiver und flexibler, weil sich Spezialaufgaben auf mehr Schultern verteilen. Auch die Beschäftigten profitieren: Sie können und leisten mehr. Selbst diejenigen, die in Gefahr sind, bei Weiterbildungen vergessen zu werden, bleiben im Blick. Somit erfüllt das Lern- bzw. Elbinselkonzept in vorbildlicher Weise den Reha-Auftrag der Werkstatt.

Wer sich selbst ein Bild von dieser ungewöhnlichen Qualifizierungsinitiative machen will, hat in unserer Seminar-Reihe "Einblicke in die Praxis" Gelegenheit dazu. Projektleiter Robert Schöne erläutert das Konzept und die Durchführung, zeigt Beispiele der Umsetzung, beschreibt die Vorteile und Schwierigkeiten und verrät, was die nächsten Entwicklungsschritte sein werden. Für alle, die sich mit dem Thema berufliche Bildung und Qualifizierung im Arbeitsbereich der Werkstatt beschäftigten, ist dies die Gelegenheit, einen gelungenen Ansatz kennenzulernen und sich mit den Akteuren auszutauschen.

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