06.07.2018

Netzwerk der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung etabliert sich

In Berlin kamen am 14./15. Juni 2018 etwa 500 Akteure der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) zum Austausch und zur Weiterbildung in Fachfragen zusammen. Die DVfR informierte während der Fachtagung über ihre Arbeit als unterstützendes Angebot für die EUTB.

„Die EUTB ist eine Bewegung“, sagte Vanessa Ahuja, Leiterin der Abteilung V – Belange behinderter Menschen, Prävention und Rehabilitation – im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) über die vielen bundesweit neu geschaffenen Beratungsangebote. Seit Dezember 2017 haben über 500 Beratungsangebote der ergänzenden Teilhabeberatung eine Förderzusage erhalten. Sie alle beraten zukünftig unter dem Label und nach den Grundsätzen der EUTB. Das bedeutet: Betroffene beraten Betroffene nach der Beratungsmethode des Peer-Counceling, unabhängig von Leistungsträgern und -erbringern und ergänzend zu deren Beratungsangebot in Fragen der Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.

Beratung auf Augenhöhe

Das Netzwerktreffen fand unter dem Motto „Eine für Alle“ statt: Anspruch der EUTB ist eine Beratung für alle Ratsuchenden anzubieten, unabhängig davon, welche Beeinträchtigungen sie haben. Die Berliner Fachtagung führte Beraterinnen und Berater aus ganz Deutschland, Mitarbeitende der Fachstelle Teilhabeberatung (FTB), der Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung mbH (gsub) als Träger der Fachstelle Teilhabeberatung und nicht zuletzt Verantwortliche des BMAS zum Austausch zusammen. Von einer anderen Qualität der Beratung war die Rede, einer lotsenden Begleitung im Bedarfsfall auch über einen längeren Zeitraum hinweg und vor allem von einer Beratung auf Augenhöhe. „Wir sorgen flächendeckend für gute und unabhängige Beratung, die allein den Ratsuchenden verpflichtet ist und ihr Vertrauen findet. Sie soll Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohte Menschen und ihre Angehörigen effektiv dabei unterstützen, wenn es um ihre Rechte auf Selbstbestimmung, eigenständige Lebensplanung und Teilhabeleistungen geht“, erläuterte Kerstin Griese, Parlamentarische Staatssekretärin beim BMAS, das Anliegen in ihrer Begrüßungsrede.

Mit guten Beispielen überzeugen

Die Fachstelle Teilhabeberatung unterstützt fachlich und organisatorisch die regionalen Beratungsangebote, fördert die Vernetzung und bietet seit Februar 2018 für Beratende der EUTB eine verpflichtende Grundqualifizierung an. In fünf verschiedenen Foren hatten Teilnehmende der Fachtagung nun die Gelegenheit ihre Kenntnisse in den Feldern Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung, Qualifizierung, Qualität der EUTB, Evaluation oder Administration zu vertiefen. Das Thema Barrierefreiheit wurde vielfach diskutiert, um dem Anspruch einer Beratung für alle näherzukommen.

„Sie müssen zeigen, dass Ihre Arbeit etwas bewirkt“, gab Ottmar Miles-Paul, Publizist der kobinet-Nachrichten, den Teilnehmenden zum Thema Öffentlichkeitsarbeit mit auf den Weg. „Arbeiten Sie mit positiven Beispielen, zeigen Sie Gesichter.“ Die Geschichte eines Ratsuchenden, der mithilfe der EUTB eine wirkliche Verbesserung seiner Lebenssituation habe erreichen können, überzeuge viel mehr, als auf eine Beratungsstelle schlicht hinzuweisen.

Eine für Alle

Zahlreiche Peers bringen sowohl Beratungserfahrung als auch persönliche behinderungsbezogene Erfahrungen und viel Motivation für ihre Aufgabe mit. Dennoch dürfte der Anspruch, ein Ansprechpartner für Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen zu sein, umfassende Einarbeitung erfordern. Neben der Grundqualifizierung über die Fachstelle Teilhabeberatung soll die Vernetzung sowohl der EUTB-Stellen untereinander als auch mit bereits bestehenden Beratungsangeboten bei der Umsetzung helfen.

Die DVfR stellt den Peer-Beraterinnen und -Beratern ihre Arbeitsergebnisse kostenfrei und leicht zugänglich zur Verfügung. So informieren Stellungnahmen der DVfR über Fragen der Rehabilitation und Teilhabe und liefern Argumentationshilfen, damit geltendes Recht auch angewendet wird. Die Online-Plattform Reha-Recht.de bietet ein umfassendes Themenspektrum zum Rehabilitations- und Teilhaberecht. Sie hat den Anspruch, eine verlässliche Informationsquelle für die Rechtsprechung, Wissenschaft und Praxis und für Menschen mit Behinderungen zu sein. Im Mittelpunkt stehen dabei die Auslegung und Umsetzung des Reha- und Teilhaberechts. Großes Interesse galt während der Fachtagung auch den Veranstaltungen der DVfR.

Weitere Informationen

teilhabeberatung.de

Fachtagung der EUTB hat erfolgreich in Berlin stattgefunden

Förderrichtlinie zur Durchführung der „Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung“ auf der Webseite gemeinsam-einfach-machen.de

Reha-Recht.de