28.09.2018

Mobile Rehabilitation fördert Gesundheit und Teilhabe von Pflegeheimbewohnern

Eine neue Studie des BMG hat den Bedarf, den Effekt und die Erfolgsbedingungen mobiler Reha in stationären Pflegeeinrichtungen untersucht. Ihre Ergebnisse legen nahe, dass Mobile Rehabilitation als ein fester Bestandteil geriatrischer Versorgung aus- bzw. aufgebaut werden sollte.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) hat das Institut für Gesundheits- und Pflegeökonomie der Hochschule Bremen zwischen 2014 und 2018 ein Forschungsprojekt zur „Ermittlung des allgemeinen Rehabilitationsbedarfes und Evaluation Mobiler Geriatrischer Rehabilitation in stationären Pflegeeinrichtungen und der Kurzzeitpflege“ durchgeführt. Die Forscher erhoben nicht nur den allgemeinen Bedarf der Bewohner und Bewohnerinnen an Rehabilitation und die Wirkung der mobilen rehabilitativen Versorgung. Sie untersuchten auch die Zusammenarbeit von stationärer Pflege und mobilem Rehabilitationsdienst, entwickelten Möglichkeiten zu ihrer Optimierung und erprobten diese. Darüber hinaus wurden begleitend die möglichen gesundheitsökonomischen Effekte des Einsatzes mobiler geriatrischer Rehabilitation (MoGeRe) analysiert.

Studie betritt Forschungsneuland

Die Studie betritt in mehrerlei Hinsicht Neuland: In ihr wurde erstmals der Bedarf an medizinischer Rehabilitation in Einrichtungen der stationären Pflege untersucht. Zudem wurde – auch ein Novum in der Forschungslandschaft – in die Evaluation der Mobilen Reha deren Teilhabewirkung einbezogen. Schließlich konnten die Ergebnisse der Behandlungsgruppe zum ersten Mal mit denen einer Kontrollgruppe verglichen werden, die trotz eindeutiger Rehabilitationsindikation nicht rehabilitativ behandelt wurde.

Signifikanter Bedarf an mobiler Reha

Das erste Teilprojekt der Studie (Reha-Bedarf) ergab bei mehr als einem Fünftel der befragten Bewohner in der Langzeitpflege Rehabilitationsbedarf; noch höher lag der Anteil mit 32,6 % in der Kurzzeitpflege. Nur für wenige Bewohner/-innen kam dabei eine stationäre oder ambulante geriatrische Reha in Betracht. 18,7 % der Probanden aus der Langzeitpflege benötigten mobile Reha; bei den Gästen der Kurzzeitpflege war der Bedarf insgesamt niedriger (15,2 %), in der Untergruppe der Personen mit vorangegangener Krankenhausbehandlung jedoch höher (21,1 %).

Rehabilitanden profitieren langfristig

Im zweiten Teil des Projekts – Evaluation der Wirkung der Mobilen Reha – wurden in einer Longitudinalstudie mit vier Messzeitpunkten über eine Interventions- und eine Vergleichsgruppe Barthel-Index, Bewegungsradius, Esslinger Transferskala, medizinische Ziele und Lebenszufriedenheit erhoben, ferner auch die Erreichung individueller Teilhabeziele und die Umsetzung individuell festgelegter Teilhabesicherungskonzepte unter Berücksichtigung relevanter Kontextfaktoren. Mit Ausnahme der Lebenszufriedenheit, die etwas sank, ohne aber auf das Ausgangsniveau zurückzufallen, wurden bei der Interventionsgruppe in allen untersuchten Bereichen Verbesserungen gemessen. Insgesamt fielen die Ergebnisse in der Interventionsgruppe auch im Langzeitverlauf deutlich besser aus als in der Vergleichsgruppe.

Rahmenbedingungen in der Pflege können Reha-Erfolg verbessern

Interessante Erkenntnisse erbrachte auch der dritte Teil der Studie, der den Versorgungskontext in den Blick nahm. Er zeigt einerseits, dass die Interaktion zwischen Pflege- und MoGeRe-Team maßgeblichen Einfluss auf die Inanspruchnahme und den Behandlungserfolg Mobiler Reha hat. Andererseits hängt der Erfolg der Zusammenarbeit in hohem Maße von der Konzeption der stationären Pflegeeinrichtungen, den dort vorhandenen Teilhabemöglichkeiten, der Qualifikation und Motivation der Pflegekräfte und von den zeitlichen Ressourcen ab. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse erarbeitete das Forscherteam organisatorische Verbesserungsvorschläge und testete diese über ein Jahr lang.

Mobile Reha senkt Pflegebedarf

Im Laufe der Studie wurden sowohl quantitative als auch qualitative Daten zur gesundheits­ökonomischen Analyse gewonnen. Anhand einer auf plausiblen Annahmen fußenden Modellrechnung zeigt die Studie das volkswirtschaftliche Kosteneinsparpotential der Mobilen Rehabilitation auf: So haben sich bereits nach einer um 6 Monate verzögerten Erhöhung des Pflegegrads von Stufe 2 auf Stufe 3 die Kosten für eine Mobile Geriatrische Reha amortisiert.

Der Abschlussbericht des Forschungsprojekts steht in Kürze auch auf der Website des BMG zum Download zur Verfügung.

(Quelle: Abschlussbericht)