18.08.2021

Merkel fordert weitere Anstrengungen für die Inklusion

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für eine größere Wertschätzung der Arbeit von Menschen mit Behinderungen ausgesprochen. Die Arbeitslosigkeit bei behinderten Menschen sei zu hoch und größere Inklusionsanstrengungen seien nötig, erklärte sie beim Online-Jahresempfang des Behindertenbeauftragten Jürgen Dusel am 17. August 2021.

Menschen mit Behinderungen müssen stärker ins Arbeitsleben einbezogen werden. Dies sei nicht nur eine soziale, sondern auch eine wirtschaftliche Frage, so Merkel. Die Kanzlerin kritisierte auch die Höhe der Lohnzahlungen in Werkstätten für behinderte Menschen. Das Entgelt entspreche nicht der Produktivität der Beschäftigten, weil es eine Leistung der Eingliederungshilfe und kein normaler Lohn sei. Angesichts von acht Millionen schwerbehinderten Menschen hierzulande rief sie die Unternehmen dazu auf, deren Talente und Leistungen nicht brachliegen zu lassen.

Merkel äußerte sich auch ganz persönlich: Sie sei mit Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen aufgewachsen, da es neben dem Pfarrhaus ihres Vaters eine diakonische Einrichtung gegeben habe. Für sie sei das selbstverständlich gewesen, sie habe aber lernen müssen, dass es für viele ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler nicht so sei.

Behinderte und nichtbehinderte Menschen sollten so früh wie möglich dieselben Schulen und Freizeiteinrichtungen besuchen. Dann werde es normal, auch in späteren Jahren gemeinsame Wege zu gehen. Behinderung bestehe durch Barrieren im Lebensumfeld. Menschen seien nicht behindert, sie würden behindert, betonte Merkel. Weitere Anstrengungen für die Inklusion von behinderten Menschen in Deutschland seien notwendig.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie sagte Merkel, dass es für viele Betroffene einsame und sehr schwierige Monate gewesen seien, als Werkstätten geschlossen waren, Therapien nicht stattfanden und Besuche verboten waren. Sie erinnerte auch an die Todesopfer in einer Behinderteneinrichtung im rheinland-pfälzischen Ort Sinzig durch die Flutkatastrophe im Juli 2021.

Zu den Rückschlägen durch die Pandemie zählte Merkel, dass die ohnehin höhere Arbeitslosigkeit unter schwerbehinderten Menschen wieder gestiegen sei. Außerdem müsse die Barrierefreiheit vorankommen, insbesondere in der Privatwirtschaft. Merkel betonte, neben den physischen Barrieren müssten auch die „Barrieren in den Köpfen“ abgebaut werden. Behinderte Menschen sollten überall und von Anfang an dazugehören.

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, zog bei seinem digitalen Jahresempfang eine eher positive Bilanz. Deutschland sei bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention trotz der Corona-Einschränkungen vorangekommen. Er betonte aber, dass zu Beginn der Pandemie die Belange behinderter Menschen nicht immer berücksichtigt wurden. So seien viele Informationen zunächst nicht barrierefrei gewesen, und die Impf-, Test- und Schutzstrategien hätten behinderte Menschen nicht ausreichend einbezogen.

Weitere Informationen

Rede von Bundeskanzlerin Merkel anlässlich des Jahresempfangs des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen am 17. August 2021 in Berlin


(Quellen: Deutsches Ärzteblatt, evangelisch.de - Portal des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik, Deutschlandfunk)