21.08.2020

Konsultationsprozess: Teilhabe von Menschen mit Behinderungen unter den Bedingungen der Corona-Pandemie

Die SARS-CoV-2-Pandemie hält alle Akteure der Rehabilitation in Atem. Neben den aktuellen Herausforderungen sind auch mittel- und langfristige Folgen für das System der Rehabilitation, der Gesundheitsversorgung und die Teilhabechancen von Menschen mit (drohenden) Behinderungen zu erwarten. Die Deutsche Vereinigung für Rehabilitation (DVfR) führt daher in enger Abstimmung mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) einen Konsultationsprozess durch, um die Folgen der Pandemie abschätzen und Bewältigungsstrategien entwickeln zu können.

Im Fokus stehen dabei folgende Fragen:

  • Wie können die zu erwartenden Änderungsprozesse mittel- und langfristig bewältigt werden? Welche Ressourcen sind dafür erforderlich?
  • Welche fachlichen (insbesondere medizinischen) und wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse liegen vor bzw. werden benötigt, um Handlungsspielräume rechtssicher und unter Beachtung epidemiologischer Erkenntnisse und hygienischer Vorschriften einschließlich des Arbeitsschutzes definieren und nutzen zu können?
  • Wie können die Akteure in der Rehabilitation möglichst eigenständig handeln? Welche Handlungsspielräume sind für die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Versorgung und für ihre Weiterentwicklung erforderlich, wie müssen die Angebote angepasst und verändert werden?
  • Wie kann das gesellschaftliche Leben und hier vor allem das von Menschen mit Behinderungen unter Sicherung bzw. Verbesserung der Teilhabe gestaltet werden? Was benötigen Bürgerinnen und Bürger und (potenzielle) Rehabilitandinnen und Rehabilitanden nicht nur im Leistungsbereich des SGB IX, sondern darüber hinaus im Hinblick auf gesamtgesellschaftliche Veränderungen (Existenzsicherung auch in Krisenzeiten, Barrierefreiheit, Digitalisierung u. a.)?

Ziel des breit angelegten Konsultationsprozesses ist es, politische Strategien im Hinblick auf die Sicherung der Teilhabe aller zu benennen, die geeignet sind, im gesellschaftlichen und politischen Raum akzeptiert und umgesetzt zu werden.

In einem ersten Schritt wurden Akteure im Feld von Rehabilitation und Teilhabe gebeten, ihre Sicht auf die bestehenden Herausforderungen in den Konsultationsprozess einzubringen. Diese Beiträge werden von einer Steuerungsgruppe der DVfR aufgearbeitet und zusammengefasst. Darauf aufbauend erfolgt eine gezielte, strukturierte Online-Abfrage zu einzelnen Bereichen der Teilhabesicherungssysteme bzw. der Rehabilitation (Oktober/November 2020). Auch diese Ergebnisse werden durch die Steuerungsgruppe unter Beteiligung mehrerer Expertengruppen strukturiert zusammengefasst und verdichtet. Die aufgearbeiteten und gebündelten Inhalte der ersten beiden Schritte dienen als Diskussionsgrundlage für anschließende themenspezifische Webkonferenzen zu den verschiedenen Bereichen der Rehabilitation, in denen Problemlagen und mögliche Handlungsoptionen unmittelbar diskutiert werden können (voraussichtlich im Januar 2021).

Anfang des Jahres 2021 soll ein erster Bericht vorgelegt werden.

Auch weiterhin ist die Übermittlung von Stellungnahmen und Forschungsergebnissen an corona@dvfr.de sehr willkommen.