04.09.2019

Bessere Verknüpfung von Akutphase und Rehabilitation bei schweren Schädigungen des Nervensystems gefordert

Auch wenn heute deutlich weniger Menschen an einem Schlaganfall sterben als früher, ist die jährliche Zahl der Schlaganfälle mit rund 300.000 in Deutschland weiterhin hoch – und damit auch die Gefahr von bleibenden Schäden. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin (DGNI). Selbst nach sofortiger Akutbehandlung könne es bei neurologischen und neuro-chirurgischen Erkrankungen noch langfristig fortbestehende Funktionsstörungen geben. Um die Versorgung zu optimieren, müssten Akutmediziner und Rehabilitationsmediziner zusammenarbeiten, fordert die DGNI.

„Nur, wenn wir in der Akutsituation bereits eine tragfähige Auskunft über die Zukunft geben können, werden wir Behandlungsoptionen sinnvoll vermitteln und klug einsetzen können“, sagt Präsidiumsmitglied Prof. Dr. Wolfgang Müllges, Leitender Oberarzt der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg. Jede/r Zweite sei nach schwerem Schlaganfall durch erhebliche Folgeschäden eingeschränkt oder sogar pflegebedürftig, jeder Dritte leide an Depressionen. „Patienten überleben die Akutphase, aber man weiß nicht, ob sie später mit einer zurückbleibenden Behinderung zufrieden zurechtkommen – wir verlieren ihre Weiterbehandlung aus den Augen“, so Prof. Müllges. „Wir Intensivmediziner sollten uns auch mit der längerfristigen Prognose und ethischen Grenzentscheidungen auseinandersetzen.“

Nach dem stufenweisen Phasenmodell der Neurorehabilitation wird die intensivmedizinische Akutbehandlung mit ersten rehabilitativen Ansätzen auf der Intensivstation oder Stroke Unit (Phase A) mit einer anschließenden neurologischen Frührehabilitation (Phase B) fortgesetzt. Die verlegten Patienten litten oft unter schwerwiegenden neurologischen Ausfallerscheinungen wie Lähmungen, Sensibilitäts- und Wahrnehmungsstörungen, einer Bewusstseinsminderung, Schluckstörungen und einer eingeschränkten Sprachfähigkeit, heißt es in einer Pressemitteilung der DGNI. Grenzen und Übergänge seien fließend: „Oft genug werden Patienten auch so frühzeitig weiterverlegt, dass erkrankungsimmanente Komplikationen der Akutphase erst während der Reha Phase B auftreten, d. h. eine ganze Reihe von Aufgaben, die der Akutphase zugeschrieben werden, werden in den Rehakliniken ausgetragen“, so Prof. Müllges.

Müllges setzt sich für die Umsetzung einer interdisziplinären Zusammenarbeit ein: „Es ist längst überfällig, dass Akutmediziner und Rehamediziner näher zusammenrücken und solche Fragen systematisch akademisch aufarbeiten.“ Auch für die klinische Praxis liege in einer Verknüpfung der beiden Bereiche ein deutliches Verbesserungspotential: Bei schwerer Schädigung des Nervensystems dauerten die Verläufe zu lange, als dass sie von einer Versorgungsstufe erfasst würden. „Sinnvoller wäre eine Einigung auf einen Datensatz, der von beiden Institutionen zuverlässig erhoben werden kann. Genauso könnte man spezifische Reha-Werkzeuge bereits in einer Akutklinik installieren.“

Weitere Informationen

Auf der Homepage der DGNI finden Sie weiterführende Informationen zur NeuroIntensivmedizin:

www.dgni.de

(Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin)