28.10.2019

Akademisierung von therapeutischen Berufen in der Diskussion

Heilmittelverbände fordern eine Akademisierung von therapeutischen Berufen zur Heilmittelerbringung, wie Physio-, Logo- oder Ergotherapie. Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich beim 2. Therapiegipfel in Berlin im September 2019 gegen eine Vollakademisierung ausgesprochen.

„Wir haben bereits eine gute Ausbildung“, sagte Spahn. Eine Akademisierung der Heilmittelberufe könne daher nur eine Ergänzung der aktuellen Ausbildungswege sein. Aus der Unionsfraktion drängen jedoch Stimmen, die mehr Akademisierung anmahnen, berichtete die ÄrzteZeitung Online und zitierte Roy Kühne, Mitglied des Gesundheitsausschusses und selbst Physiotherapeut: „Wir werden schon wegen des Akademisierungsgrades in anderen Ländern und den Erfordernissen einer europäischen Harmonisierung um die Akademisierung nicht herumkommen.“

Ein weiteres Stichwort ist der „Direktzugang“. In einigen Ländern können Patientinnen und Patienten mit Beschwerden direkt zur Therapeutin bzw. zum Therapeuten gehen, ohne zuvor eine ärztliche Überweisung für eine Heilmitteltherapie einzuholen. Der Therapeut oder die Therapeutin entscheidet dann mit dem Klienten über die entsprechende Behandlung. Nur bei unklaren Beschwerden wird eine ärztliche Diagnose hinzugezogen. Aus Sicht des Spitzenverbands der Heilmittelverbände e. V. (SHV) auch für Deutschland ein erstrebenswertes Modell.

Auf Bundesebene konnte man sich bislang nur auf Modellvorhaben zur Blankoverordnung verständigen. Diese ermöglichen Heilmittelerbringern, auf Basis der ärztlichen Erstdiagnose einen eigenen Therapieplan zu erstellen und über Frequenz, Dauer und Anzahl der Behandlungen selbst zu entscheiden. Zunächst müsse die Einführung der Blankoverordnung umgesetzt werden, sagte Spahn und wies darauf hin, dass beim Direktzugang mehr zu beachten sei, etwa Fragen der Budgetverantwortung.

Spahn kündigte Eckpunkte für eine Reform der Therapeutenausbildung für Ende des Jahres an; zum 1. Juli 2019 waren bereits Vergütungsverbesserungen erfolgt. Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll nun eine konsensfähige Grundlage für das Gesetzgebungsverfahren schaffen. Umgesetzt werden soll das Gesetz dann im Jahr 2021.

An der Alice Salomon Hochschule in Berlin war im November 2018 die Deutsche Gesellschaft für Ergotherapiewissenschaft (DGEW) zur Förderung und Weiterentwicklung der Ergotherapiewissenschaft gegründet worden. "Die Gründung einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft ist eine logische Konsequenz, wenn sich ein Beruf akademisiert", sagte Prof. Dr. Ulrike Marotzki, stellvertetendes Vorstandsmitglied der DGEW dem Verbandsmagazin "Ergotherapie und Rehabilitation" des Deutschen Verbands der Ergotherapeuten (10/2019). Die Positionen des Hochschulverbundes Gesundheitsfachberufe und des Deutschen Verbands der Ergotherapeuten, die fachschulische Ausbildung vollständig in eine hochschulische Ausbildung zu überführen, unterstütze man ausdrücklich. 

Um die Argumentationsgrundlage aus Sicht der Vertreter der Heilmittelverbände zu verbessern, wird derzeit ein Gutachten beim Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) erstellt. Bis Ende Oktober 2019 können Praxisinhaber die Analyse durch Auskünfte über die Wirtschaftlichkeit ihrer eigenen Praxis unterstützen (www.wat-gutachten.de).

(Quelle: Spitzenverbands der Heilmittelverbände; aerztezeitung.de)

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