Dr. med. Hans-Martin Schian

(* 1940)

Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Arbeitsmedizin/Sozialmedizin, Rehabilitationswesen und Physikalische Therapie

Hans-Martin Schian

Hans-Martin Schian studierte Humanmedizin und promovierte an der Freien Universität Berlin und an der Universität zu Köln. Während seiner Facharztausbildung begegnete er in den 1970er Jahren Prof. Dr. Kurt-Alphons Jochheim im Rehabilitationszentrum der Universität Köln. Damit begann eine intensive berufliche Zusammenarbeit, die seinen beruflichen Werdegang stark beeinflusste.

Zu den beruflichen Stationen von Hans-Martin Schian gehörte u.a. die Tätigkeit als Chefarzt der neurologischen Abteilungen im Rehabilitationskrankenhaus Karlsbad (Langensteinbach) der Stiftung Rehabilitation Heidelberg. Sein dortiges Wirken lieferte u.a. Beiträge zur Etablierung des Hirnverletztenverfahrens in der Unfallversicherung sowie zur Gründung von Phase-II-Einrichtungen. In Langensteinbach absolvierte er auch eine betriebsärztliche Ausbildung und übernahm nebenberuflich die arbeitsmedizinische Versorgung zweier Elektrounternehmen vor Ort mit insgesamt 2000 Arbeitnehmern, später wechselte er als stellvertretender Leiter zum Arbeitsmedizinischen Zentrum (AMZ) Siegerland. In dieser Zeit übernahm er auch führende Funktionen im Verband deutscher Betriebs- und Werksärzte, u.a. als Geschäftsführer und zweiter Vorsitzender.

Als Arzt galt sein Interesse vor allem der Arbeitsmedizin und der medizinisch-beruflichen Rehabilitation, um die Beschäftigungsfähigkeit und berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu sichern oder wiederherzustellen. Einen besonderen, aber nicht alleinigen Fokus bildete die Zielgruppe der Menschen mit neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Als wesentlichen Baustein und Dreh- und Angelpunkt zur Erreichung dieses Zieles erkannte er die (sozialmedizinische) Begutachtung und insbesondere die Leistungsbeurteilung mit Blick auf berufliche Anforderungen – ein Handlungsfeld, das seinerzeit wissenschaftlich noch wenig durchdrungen und nur wenig systematisiert war.

Um die Forschung zu diesem Feld zu etablieren, wechselte er 1987 als wissenschaftlicher Leiter zur ERTOMIS Assessment Method-GmbH (EAM) in Siegen. In dieser Zeit wurde der „Runde Tisch“ Siegerland gegründet, eine beispielgebende Initiative zur Vernetzung aller für die systematische berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen maßgeblichen Akteure. Zudem wurden erste Grundlagen für die später entwickelten Profilvergleichssysteme wie IMBA (Integration von Menschen mit Behinderung in Arbeit) gelegt. Weiterhin gab es erste Berührungen mit entsprechenden Aktivitäten, Systemen und Methoden aus dem anglo-amerikanischen Raum (EFL, ERGOS), an deren Implementierung in Deutschland Hans-Martin Schian maßgeblich mitwirkte.

Hans-Martin Schian war Mitbegründer des Instituts für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation GmbH (IQPR) an der Deutschen Sporthochschule Köln. Gemeinsam mit dem damaligen BSG-Richter Dr. Alexander Gagel rief er einen Newsletter zur Information von betrieblichen Akteuren über sozialrechtliche Themen ins Leben und gründete aufgrund der positiven Resonanz beim IQPR das Diskussionsforum „Rehabilitations- und Teilhaberecht“, das bis heute unter der Trägerschaft der DVfR weiterbesteht.

Über diese haupt- und nebenberuflichen Aktivitäten hinaus war Dr. Schian auch in übergreifenden Kontexten kontinuierlich an der Weiterentwicklung der Rehabilitation und Vernetzung der relevanten Akteure beteiligt. So engagierte er sich in zahlreichen Projekten und Organisationen auf nationaler und internationaler Ebene. Beispielsweise war er Mitglied der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe von „Reha-Futur“ und wirkte an der Verankerung der Informationsplattform REHADAT beim Institut der Deutschen Wirtschaft Köln mit. International war er in die Erarbeitung der ICIDH involviert.

Über die Rehabilitationspraxis und -forschung hinaus übernahm Dr. Schian verschiedene Dozenturen an Bildungseinrichtungen für Physio- und Ergotherapie und Sozialarbeit, an Fachhochschulen und Akademien für Gesundheitswesen, Arbeits- und Sozialmedizin sowie Lehraufträge für das Zusatzstudium Arbeitswissenschaft in Zürich, Bochum und Hannover. Er übernahm vielfach Vorträge und ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen.

Dr. Schian ist seit 1977 Mitglied der DVfR und war als Leiter verschiedener Ausschüsse viele Jahre beratend für den DVfR-Hauptvorstand tätig, außerdem wirkte er an zahlreichen Veranstaltungen mit.

Er ist Mitglied des Beirats der Zeitschrift „Die Rehabilitation“, Mitherausgeber der Zeitschrift „Recht und Praxis der Rehabilitation“ und war bis Mitte 2016 Mitherausgeber des Diskussionsforums „Rehabilitations- und Teilhaberecht“.

Für die langjährige, engagierte Arbeit in der DVfR und seinen außerordentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des Rehabilitationssystems in Deutschland ernannte die Mitgliederversammlung der DVfR Hans-Martin Schian im Oktober 2016 zum Ehrenmitglied. Zugleich wurde er zum Ehrenherausgeber des Diskussionsforums „Rehabilitations- und Teilhaberecht“ berufen.