Dr. Ferdinand Schliehe

(* 1939)

Hauptabteilungsleiter für Rehabilitation und Sozialmedizin a. D. beim Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) in Frankfurt a. M.

Dr. Ferdinand Schliehe

Dr. Ferdinand Schliehe studierte an den Universitäten Münster und Bielefeld Soziologie und promovierte 1983 über die Entwicklung sozialer Dienste.

Dr. Schliehe begann 1988 seine Laufbahn beim Verband Deutscher Rentenversicherung. Dort war er einer der Hauptakteure bei der Bestandsaufnahme und Weiterentwicklung der Rehabilitation der Rentenversicherung, insbesondere als Koordinator der Kommission für die Weiterentwicklung der medizinischen Rehabilitation, die ihren Abschlussbericht 1991 vorlegte. Danach leitete er die Koordinierungsstelle zur Umsetzung der Empfehlungen der Reha-Kommission und wirkte in den weiteren Kommissionen der Rentenversicherung zur Weiterentwicklung der Sozialmedizin und der beruflichen Rehabilitation mit.

1994 übernahm er die Leitung der neugegründeten rehabilitationswissenschaftlichen Abteilung beim VDR. Gemeinsam mit universitären Partnern formulierte Dr. Schliehe ein Konzept für ein rehabilitationswissenschaftliches Forschungsprogramm. 2001 übernahm er die Leitung der Hauptabteilung „Rehabilitation und Sozialmedizin“ und gehörte damit zum engsten Führungskreis des VDR.

Ein Meilenstein war in diesem Zeitraum (1996-2005) die Etablierung eines rehabilitationswissenschaftlichen Förderschwerpunktes zusammen mit dem Bundesforschungsministerium, der zu einer Initialzündung für die Rehabilitationsforschung in Deutschland wurde. Infolge dessen entwickelten sich regionale Forschungsverbünde mit breiter Forschungskompetenz und -aktivität, koordiniert durch den VDR.

Wissenschaftliche Fundierung der Rehabilitationspraxis und Aufgeschlossenheit für Innovationen und Weiterentwicklung waren zentrale Anliegen von Dr. Schliehe. Als kompetenter Mittler zwischen Wissenschaft und Praxis setzte er sich besonders für eine praxisnahe Umsetzung der Forschungsergebnisse, die Weiterentwicklung von Rehabilitationskonzepten und für ein umfassendes Qualitätssicherungsprogramm in der Rehabilitation ein. Er förderte entschieden den fachlichen Diskurs zwischen Wissenschaft und Praxis auf den rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquien und durch Mitwirkung in mehreren Fachorganisationen.

Dr. Schliehe gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) und war mehrere Wahlperioden lang Vorstandsmitglied.

Seine Aktivitäten schlugen sich in zahlreichen fachlichen Initiativen und Stellungnahmen sowie Mitwirkung in Ausschüssen, Arbeitsgruppen und auf Tagungen nieder – und in einer Vielzahl von Veröffentlichungen.

Die von Dr. Schliehe angestoßenen Entwicklungen der Rehabilitationswissenschaften prägten nicht nur die Strukturverantwortung der Gesetzlichen Rentenversicherung für die Rehabilitation. Wissenschaft und Forschung trugen maßgeblich dazu bei, dass sich Rehabilitation zu einem anerkannten Sektor der sozialen Sicherung entwickelte.

Dr. Schliehe erhielt für sein Engagement in der Rehabilitation mehrere Auszeichnungen: die Salomon-Neumann-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention, die Peter-Beckmann-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen sowie die Verdienstmedaille der Deutschen Rentenversicherung.

In hohem Maße hat sich Dr. Schliehe auch in der DVfR engagiert. Von 2000 bis 2006 war er Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes der DVfR und nahm dort die Aufgabe des Schatzmeisters wahr. Seit 2004 ist er persönliches Mitglied der DVfR.

Seine konstruktive Mitwirkung zu vielen Fragen der Weiterentwicklung der Rehabilitation und sein hohes soziales Geschick waren in den Verbandsgremien hochgeschätzt. In guter Erinnerung ist beispielsweise sein großes Engagement bei der Vorbereitung des 100. Gründungsjubiläums der DVfR, insbesondere des Jubiläumskongresses und der Festschrift „Teilhabe als Ziel der Rehabilitation“ (Herausgeber: Schliehe und Blumenthal, 2009).

Ein weiteres Beispiel ist seine Mitwirkung in dem Projekt RehaFutur (Arbeitsgruppe: Forschung), welches die DVfR im Auftrag des BMAS koordinierte (2011-2012). Beteiligt war er auch an der Neuausrichtung des Ausschusses „Interdisziplinäre Rehabilitationsforschung“ der DVfR (ab 2006).

Von 1999 bis 2017 war Dr. Schliehe Mitherausgeber der Zeitschrift „Die Rehabilitation“, davon viele Jahre federführender Herausgeber. Hier hat er auch die fachlichen Belange der DVfR eingebracht, deren Organ die Zeitschrift ist. Besonderen Wert legte Dr. Schliehe darauf, den wissenschaftlichen und interdisziplinären Charakter der Zeitschrift zu stärken.

Nach dem Ende seiner beruflichen Laufbahn 2004 hat er sich weiterhin besonders für die Anwendung und Umsetzung der ICF eingesetzt und dazu auch eigene, problemorientierte Bestandsaufnahmen durchgeführt und veröffentlicht. Er übernahm die Leitung des ICF-Ausschusses der DVfR, der 2014 ein Positionspapier zur Nutzung der ICF im deutschen Rehabilitationssystem (gemeinsam mit der DGRW) veröffentlichte.

Für die langjährige, engagierte Arbeit in der DVfR sowie seinen außerordentlichen Beitrag für die Zeitschrift „Die Rehabilitation“ und zur Weiterentwicklung der Rehabilitationswissenschaften ernennt die DVfR-Mitgliederversammlung 2018 Ferdinand Schliehe zum Ehrenmitglied.