Prälat Dr. theol. Peter Josef Briefs

(* 28. März 1890 in Steinstraß/Kreis Jülich - † 21. April 1960 in Hochheim/Main)

Geistlicher Rat, geistlicher Leiter und Erzieher im Antoniushaus, Hochheim/Main

Peter Josef Briefs

Nach seinem Studium der katholischen Theologie wurde Peter Josef Briefs 1916 in Köln zum Priester geweiht. Bereits seit 1916 als Assistent an der Fürsorgeerziehungsanstalt St. Josef am Berg in Bonn tätig, übernahm er 1919 das Amt eines Rektors an der Stiftung Dr. Dormagen, einem Pflege- und Ausbildungsheim für Körperbehinderte in Köln. 1931 wurde ihm das Amt eines geistlichen Leiters und Erziehers im Antoniushaus in Hochheim/Main übertragen. Die der Josefs-Gesellschaft unterstehende Einrichtung war 1910 zur beruflichen Ausbildung krüppelhafter Mädchen gegründet worden. 1935 promovierte er an der Universität Freiburg über „Das Gebrechlichenproblem und seine Lösung nach Grundsätzen der katholischen Heilpädagogik“.

Durch seine praktischen Erfahrungen in der Arbeit mit Körperbehinderten und seine Tätigkeiten im Verband der katholischen Krüppelanstalten Deutschlands sowie seine rege publizistische Tätigkeit in der „Zeitschrift für Krüppelfürsorge“ und im „Krüppelführer -- Zeitschrift der katholischen Krüppelfürsorge“ wurde Briefs zu einem der bemerkenswertesten Vertreter der katholischen Heilpädagogik.

Als scharfer Kritiker des von Hans Würtz und Konrad Biesalski postulierten sozialbiologischen Krüppelfürsorgekonzepts wandte sich Briefs gegen eine vorrangig auf Produktivität ausgerichtete materialistische Fürsorge, bei der die Pädagogik „nur noch Schleppenträgerin der Orthopädie“ sei (Briefs 1955, S. 130). Deren Nützlichkeitsgedanken setzte er seine Theorie einer Sozial- und Berufsethik entgegen, die vom Menschen als einer freien Persönlichkeit ausging.

Auch die stärkste körperliche Einschränkung hindere nicht daran, eine Berufs- und Lebensleistung zu erbringen. „Seine Argumentation geht von einer Gleichwertigkeit aller Menschen, unabhängig von ihrem physischen und psychischen Zustand und ihren Leistungspotentialen aus, womit er eine Gegenposition zum Sozialdarwinismus vertritt, der die Leistungsfähigen bevorzugt und die Schwachen ausgrenzt“ (Stadler 2004, S. 166). Im Dritten Reich bezog Briefs dezidiert Stellung gegen die menschenverachtende selektive Rassenpolitik, die den sogenannten „minderwertigen“ Elementen der Volksgemeinschaft die Existenzberechtigung absprach, wenngleich er damit nicht auf die erforderliche Resonanz stieß. Für seine Verdienste im Hinblick auf die Entwicklung der katholischen Körperbehindertenpädagogik ernannte ihn Papst Pius XII. 1954 zum Päpstlichen Geheimkämmerer mit der Anrede eines Prälaten.

Als langjähriges Mitglied der Deutschen Vereinigung gehörte Briefs nach der offiziellen Wiederbegründung 1949 dem Vorstand an, von 1955 bis zu seinem Tod im Jahr 1960 übte er das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden aus und war inhaltlich maßgeblich am Entwurf des 1957 verabschiedeten Körperbehinderten-Fürsorgegesetzes beteiligt.

Im April 1960 verstarb Briefs im Antoniushaus in Hochheim/Main, wo er seit seiner Ernennung zum geistlichen Leiter lebte und wirkte. 

Quellen:

Briefs PJ: Körperbehindertenfürsorge im Geiste der Caritas. Bigge/Ruhr: Josefs-Druckerei 1955

Stadler H: Körperbehindertenfürsorge im Geiste der katholischen Caritas. In: Stadler H, Wilken U: Pädagogik bei Körperbehinderung. Bd. 4: Studientexte zur Geschichte der Behindertenpädagogik. Weinheim u. a.: Beltz 2004: 150-193