Prof. Dr. sc. med. Karlheinz Renker

(* 19. Mai 1921 in Pirna-Copitz - † 6. Januar 1982 in Halle)

Arzt für Sozialhygiene, Direktor des Hygiene-Instituts und des Instituts für Sozialmedizin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Karlheinz Renker

Von 1938 bis 1948 absolvierte Karlheinz Renker in Leipzig und Halle ein Medizinstudium, wobei er zwischen 1944 und 1946 praktische Arbeit als Hilfsarzt leistete. Nach seiner Promotion 1948 folgte eine internistische Ausbildung. 1952 wurde Renker Direktor der Betriebspoliklinik der Volkswerft Stralsund.

Von 1956 bis 1958 arbeitete er als Oberarzt am Institut für Sozialhygiene der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach seiner Habilitation 1958 übernahm Renker die Leitung des Hygiene-Instituts und des Instituts für Sozialmedizin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die er bis zu seinem Tod 1982 ausübte. Von 1972 bis 1977 war er Dekan der Medizinischen Fakultät.

Prof. Renker war Mitinitiator der 1954 aus der Gesellschaft für die gesamte Hygiene der DDR entstandenen Arbeitsgemeinschaft der Sozialhygieniker der DDR als eigenständige Sektion. Daraus ging 1957 die Forschungsgruppe Rehabilitation hervor, die 1962 in die Gesellschaft für Rehabilitation in der DDR (GfR) – das Pendant zur DVfR – umgewandelt wurde. Prof. Renker wurde Vorsitzender der GfR, die die Rehabilitation als „zweckgerichtete Tätigkeit eines Kollektivs in medizinischer, pädagogischer, sozialer und ökonomischer Hinsicht zur Erhaltung, Wiederherstellung und Pflege der Fähigkeiten des geschädigten Menschen, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“ (Becker 1999, S. 48), definierte. Die als wissenschaftliche Gesellschaft konzipierte GfR mit Sitz in Ost-Berlin basierte auf in vier Sektionen unterteilte Arbeitsgemeinschaften: medizinische, berufliche und soziale Rehabilitation sowie Kinder und geschädigte Jugendliche.

1967 wurde die GfR als ordentliches Mitglied der International Society for Rehabilitation of the Disabled (heute: Rehabilitation International) anerkannt, bereits seit 1962 war Karlheinz Renker Nationaler Sekretär des Weltverbandes für die DDR. Während seiner zehnjährigen Amtszeit als Vorsitzender organisierte die GfR mehrere internationale Kongresse, unter anderem die gemeinsam mit der Internationalen Gesellschaft ausgerichtete 3. Internationale Konferenz für Rehabilitation 1967 in Erfurt.

Seine rege publizistische Tätigkeit spiegelt sich in zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen wider. Seit 1962 trug er die redaktionelle Verantwortung der „Zeitschrift für die gesamte Hygiene und ihre Grenzgebiete“. Als Koautor und Herausgeber war er an dem erstmals 1963 erschienenen Werk „Grundlagen der Rehabilitation in der DDR“ beteiligt.

Auf Initiative Renkers formierte sich Ende der 50er Jahre die Gruppe der Rehabilitationsexperten sozialistischer Länder, 1966 wurde ein „Ständiges Komitee“ gegründet. 1973 wurde er als Vertreter der sozialistischen Länder in das Exekutivkomitee von Rehabilitation International (RI) gewählt. Von 1975 bis 1980 hatte Renker den Vorsitz der World Commission for Medical Rehabilitation von RI inne. Unter seiner Leitung wurden mehrere Arbeitstagungen in Halle/Saale durchgeführt, wo die Kommission während seiner Amtszeit ihren Sitz hatte.

1980 wurde er zum RI-Vizepräsidenten für Europa gewählt. In dieser Funktion zeichnete er maßgeblich für die Organisation der 3. Europäischen Regionalkonferenz von Rehabilitation International verantwortlich, die anlässlich des Internationalen Jahres der Behinderten 1981 in Wien stattfand. In Zusammenhang mit der „United Nations Decade of Disabled Persons“ war Prof. Renker beim UN Department for Humanitarian and Social Affairs in Wien beratend tätig, zudem war er als Autor an mehreren Berichten zur Lage der Behinderten weltweit beteiligt. 

Im Januar 1982 starb Karlheinz Renker, Träger zahlreicher nationaler wie internationaler Auszeichnungen, in Halle/Saale. In Anerkennung der außerordentlichen Verdienste ihres ehemaligen Vorsitzenden im Bereich der Rehabilitation sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene stiftete die Gesellschaft für Rehabilitation 1984 die „Prof. Dr. Karlheinz Renker-Medaille“ als Auszeichnung für besonders verdienstvolle Mitglieder.

Quelle:

Becker K-P: Zur Geschichte der Gesellschaft für Rehabilitation in der Deutschen Demokratischen Republik. In: Deutsche Vereinigung für die Rehabilitation Behinderter (Hrsg): Von der „Krüppelfürsorge“ zur Rehabilitation von Menschen mit Behinderung – 90 Jahre Deutsche Vereinigung für die Rehabilitation Behinderter e. V. Heidelberg 1999: 47–60