Prof. Dr. med. Eduard (Karl Robert) Dietrich

(* 10. Oktober 1860 in Sangerhausen/Harz - † 7. Dezember 1947 in Berlin)

Arzt, Geheimer Obermedizinalrat im preußischen Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten, Leiter der Abteilung Volkswohlfahrt im preußischen Wohlfahrtsministerium

Eduard Dietrich

Obwohl als Sohn eines Pfarrers und einer Pfarrerstochter aufgewachsen, entschied sich Eduard Dietrich, der neben Konrad Biesalski zu den „Gründervätern“ der Deutschen Vereinigung zählt, nach der Schule für ein Medizinstudium, das er in Leipzig, Göttingen und Halle absolvierte. 1900 trat er in die Medizinalabteilung des preußischen Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten ein. Zu seinem Ressort gehörten dort neben den Ausbildungsordnungen für medizinische Hilfsberufe in erster Linie die Säuglings-, Kleinkinder- und Krüppelfürsorge.

Von entscheidender Bedeutung für Entstehung und Etablierung der Deutschen Vereinigung sollte sich die Verbindung zwischen dem preußischen Ministerialbeamten Dietrich und dem Orthopäden Biesalski erweisen, die sich als Mitglieder derselben Hallenser corpsstudentischen Verbindung vermutlich bereits seit Ende der 1880er Jahre kannten. Dietrich, der auch dem von Biesalski 1905 ins Leben gerufenen „Krüppel-Heil- und Fürsorgeverein für Berlin-Brandenburg“ angehörte, ließ sich davon überzeugen, 1906 mit Hilfe der staatlichen Behörden eine Zählung der jugendlichen Krüppel durchzuführen, um anschauliche Daten für die Notwendigkeit eines weitreichenden, medizinische Behandlung und berufliche Ausbildung verbindenden Fürsorgekonzepts zu gewinnen. Er ließ keine Zweifel darüber aufkommen, „daß diese Fürsorge die Armenverwaltung erheblich entlasten und dem Nationalvermögen zugute kommen muß“ (Dietrich 1908/09, S. 84).

Unter der Führung Dietrichs und Biesalskis wurde zum Zweck der Institutionalisierung der Krüppelfürsorge am 14. April 1909 in Berlin die Deutsche Vereinigung für Krüppelfürsorge aus der Taufe gehoben, deren Aufgaben darin bestehen sollten, „alle an der Krüppelfürsorge beteiligten Faktoren ohne Beeinträchtigung ihrer Selbstständigkeit zu sammeln, … bei den beteiligten Kreisen dahin zu wirken, daß die jugendlichen Krüppel und diejenigen, welche die Anlagen zu körperlichen Gebrechen zeigen, zur rechten Zeit in ärztliche Behandlung oder wenn erforderlich, in geeignete Anstalten geschickt werden … und weite Kreise der Bevölkerung über das Krüppeltum und seine Bekämpfung aufzuklären“ (Dietrich 1910, S. 17).

Dietrich wurde zum ersten Vorsitzenden in der Geschichte der Deutschen Vereinigung gewählt. Nicht nur, dass mit ihm ein weitsichtiger Beamter an der Spitze der Deutschen Vereinigung stand, auch in finanzieller Hinsicht sollte sich die enge Zusammenarbeit der Deutschen Vereinigung mit dem preußischen Kultusministerium als vorteilhaft erweisen. Darüber hinaus stellte Dietrich, dem 1923 die Leitung der Abteilung Volkswohlfahrt im preußischen Wohlfahrtsministerium übertragen wurde, ein Bindeglied zu den karitativen protestantischen Organisationen dar. So war er Ende der 20er Jahre maßgeblich an der Gründung des Vereins zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser beteiligt. Mit diplomatischem Gespür sollte Dietrich die Geschicke der Deutschen Vereinigung bis 1933 leiten, als er und die übrigen Vorstandsmitglieder auf politischen Druck zurücktreten mussten.

Von 1927 bis 1933 war Dietrich zudem Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), die 1927 als Deutsche Gesellschaft für Rheumabekämpfung gegründet worden war. Am 7. Dezember 1947 starb Eduard Dietrich, „der Ekkehard der Krüppelfürsorge“ (Würtz 1930, S. 333), in Berlin.

Quellen:

Dietrich E: Krüppelfürsorge und Staat. Zeitschrift für Krüppelfürsorge 1908/1909; 1 (2): 79-87

Dietrich E: Eröffnungsansprache. In: Deutsche Vereinigung für Krüppelfürsorge: Stenographischer Bericht über den I. Deutschen Kongress für Krüppelfürsorge, Berlin, 31. März 1910. Hamburg u. Leipzig: Leopold Voss, 1910: 16-18

Würtz H: Eduard Dietrich, der Ekkehard der Krüppelfürsorge. Zeitschrift für Krüppelfürsorge 1930; 23 (9/10): 333-335