09.11.2021

DVfR-Kongress „Hilfsmittel sichern Teilhabe – Technik für Inklusion in Alltag und Beruf"

Über 170 Interessierte nahmen online am DVfR-Kongress am 8. und 9. November 2021 teil. Die Veranstaltung widmete sich dem vielschichtigen Thema Hilfsmittel und Teilhabechancen für Menschen mit Behinderungen. Kongresspräsident war Prof. Dr. Bernhard Greitemann. Rund 50 Expertinnen und Experten boten Vorträge und Workshops an und beteiligten sich an Diskussionsrunden. Sie gingen auch auf die verschiedenen Fragen und Kommentare der Teilnehmenden ein.

Schwerpunkte des Kongresses waren neben den zahlreichen technischen Entwicklungen und Einsatzmöglichkeiten auch die Probleme der Betroffenen wie z. B. der Zugang zu Hilfsmitteln, Fragen der Verwaltungs- und Verordnungspraxis sowie mögliche Anwender- und Datensicherheitsrisiken. Auch ethische und rechtliche Fragen wurden vertieft. Die DVfR strebt durch ihre Arbeit und diesen Kongress an, die Hilfsmittelversorgung für Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Behinderungen zu verbessern und an der Teilhabe auszurichten und dafür die Rolle der Rehabilitation zu stärken.

Der Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, unterstrich in seinem Grußwort, dass Hilfsmittel „wertvolle Wegbereiter für gesellschaftliche Teilhabe“ seien und dass durch das Bundesteilhabegesetz „die Beantragung von Hilfsmitteln deutlich erleichtert“ worden sei.

Auf großes Interesse stießen v. a. die Einzelvorträge von Prof. Dr. Bernhard Greitemann zu „Hilfsmittel als Teilhabechance – Was bringen die neuen Techniken?“, von Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, ICEP Berlin, zu ethischen Grundsätzen im Spannungsfeld zwischen Teilhabe, Selbstbestimmung und Verwirklichungskosten, von Dr. Roy Kühne, CDU-Gesundheitspolitiker, zu gesetzgeberischem Handlungsbedarf in der Hilfsmittelversorgung und von Prof. Dr. Felix Welti, Universität Kassel, zu „Grenzen in der Hilfsmittelversorgung – Aspekte des Leistungsrechts“.

An der Podiumsdiskussion „Hilfsmittel und Teilhabesicherung – Möglichkeiten und Grenzen“ am ersten Veranstaltungstag nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus Selbsthilfe, Medizin und Reha-Einrichtungen teil. Am zweiten Tag diskutierten Fachleute der Reha-Träger, aus Politik, Selbsthilfe, Verbänden und Hilfsmittelherstellung sowie Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, das kontroverse Thema „Hilfsmittel sichern selbstbestimmte Teilhabe – Spannungsfeld zwischen Bedarfsermittlung, Teilhabe und Kosten“.

Die zehn Workshops des Kongresses behandelten Themen rund um Hilfsmittel wie ihre Entwicklungen, die Versorgung nach dem BTHG, ihre Individualisierung, ihr Einsatz bei schweren Behinderungen, in Arbeitswelt und Mobilität, ihre Schnittstellenprobleme, ihre Digitalisierung, Unterstützte Kommunikation und die Datenerfassung durch digitale Hilfsmittel, sowie deren Einsatz in der beruflichen Rehabilitation.

In seinem Resümee unterstrich Dr. Matthias Schmidt-Ohlemann, Vorsitzender der DVfR, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt und der Gesellschaft insgesamt auch einen Schub für Entwicklungen bei der Hilfsmittelversorgung bedeute. Der bedarfsgerechte Einsatz von Hilfsmitteln sei unabdingbar, um Teilhabe zu ermöglichen und auch um dem Arbeitsmarkt die benötigten Fachkräfte zur Verfügung zu stellen. Das BTHG könne zu einer verbesserten Bedarfsermittlung und einer stärkeren Individualisierung bei Hilfsmitteln führen. Konsens habe hinsichtlich der Notwendigkeit, die Bedarfe an Hilfsmitteln individuell zu ermitteln und zu dokumentieren, bestanden. Deutlich zeige sich eine Unzufriedenheit von Menschen mit Behinderungen und ihren Verbänden mit dem Antragsverfahren zur Hilfsmittelversorgung; viele fühlten sich zudem als Bittsteller. Dies sei bedenklich, da die gesetzlichen Möglichkeiten in der Hilfsmittelversorgung bisher nicht voll ausgeschöpft würden.

Die Gremien der DVfR greifen die zahlreichen Anregungen des Kongresses auf.


Dokumentation

Programm

Grußworte

  • Grußwort, Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales
  • Grußwort, Prof. Dr. Bernhard Greitemann, Kongresspräsident und DVfR-Vorstand

Vorträge

Workshops

Workshop 1: Hilfsmittel an den Extremitäten (Mobilität, Greiffunktion): Aktuelle Entwicklungen

  • Chirurgie bei Extremitätenverlusten (neue OP-Techniken, neuromuskuläre Kopplung, Implantate, transossäre Systeme), Prof. Dr. Bernhard Greitemann, DVfR-Vorstand
  • Welche Hürden sind zu bewältigen? Erfahrungsbericht von Betroffenem, Dieter Jüptner, Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation (folgt)

Workshop 2: Hilfsmittelversorgung nach dem Bundesteilhabegesetz

Workshop 3: Hilfsmittel und deren Beitrag zu Rehabilitation und Teilhabe: Individualisierung durch passgenaue Versorgung

Workshop 4: Hilfsmittelversorgung bei Menschen mit schweren und sehr schweren Beeinträchtigungen

Workshop 5: Hilfsmittel, Arbeit und öffentliche Mobilität unter Teilhabeaspekten

Workshop 6: Schnittstellenproblematik in der Hilfsmittelversorgung: Krankenhaus/ Reha/ Pflege/ Häuslichkeit

Workshop 8: Unterstützte Kommunikation: Technische Möglichkeiten versus selbstbestimmte Teilhabe

  • Inklusion durch Digitalisierung, Prof. Dr. Sandra Verena Müller, Ostfalia Hochschule Wolfenbüttel
  • Usability, Prof. Dr. Gregor Renner, Katholische Hochschule Freiburg
  • Emotionserkennung in Videochatsoftware durch Künstliche Intelligenz zur Unterstützung von Menschen mit Autismus, Ursula Schemm, Auticon; Michael Gresser, Absolvent Informatikstudiengang; Oliver Siemen, IT-Consultant Auticon; Lejla Rahmanovic, Job Coach Auticon (folgt)
  • Unterstützte Kommunikation aus Sicht der Betroffenen, Kathrin Lemler, Rehabilitationswissenschaftlerin, Doktorandin der Universität zu Köln

Workshop 9:  Rehabilitation 4.0: Datenerfassung und -auswertung versus Selbstbestimmung

Workshop 10: Künstliche Intelligenz in der beruflichen Rehabilitation