18.04.2006

Versorgung mit Hilfsmitteln. Stellungnahme der DVfR zu Aussagen der Koalition über Eckpunkte zur Strukturreform des Gesundheitswesens 2006

Die DVfR bewertet – mit eher skeptischer Tendenz – die Tauglichkeit von Neuregelungsvorschlägen, welche die Berliner Große Koalition in ihren „Eckpunkten“ für eine Gesundheitsreform 2006 zur Versorgung von behinderten Menschen mit technischen und praktischen Hilfsmitteln unterbreitet.

Hilfsmittelversorgung ist ein Kernbereich moderner Rehabilitation. Für Ausgleich und Kompensation gesundheits- oder behinderungsbedingt gestörter bzw. ausgefallener Funktionen (Fähigkeiten) sind technische Hilfsmittel von großer Bedeutung – vor allem für Menschen mit Körper-,  Sinnes-, und Kommunikationsbehinderungen. Bedauerliche Fälle von Fehlversorgungen sind aber leider noch immer Alltag.

Die auf solche Defizite medizinischer und wirtschaftlicher Effizienz abzielenden Reformabsichten des Gesetzgebers in den Anfang 2006 veröffentlichten "Eckpunkten zur Finanzierungs- und Strukturreform des Gesundheitswesens" verkennen aber nach Auffassung der DVfR einige der Gründe, die in diesem Versorgungsbereich Probleme schaffen – und werden deshalb nicht in ausreichender Weise zur Behebung von Unter-, Über- und Falschversorgung mit Hilfsmitteln beitragen.

Gründe für ungenügende Tauglichkeit der Reformideen sind einmal die Komplexität des auf Teilhabe gerichteten Versorgungsgeschehens, das auf Anbieterseite kaum normiert werden kann, die unzureichende Datenlage zur Hilfsmittelversorgung, die Rasanz technischer Entwicklungen bei gleichzeitiger Schwerfälligkeit der Technikfolgen-Bewertung, Uneinheitlichkeit von Instrumenten zur Bedarfserfassung und schließlich Informations- und Wissensmängel bei einzelnen am Versorgungsgeschehen beteiligten Gruppen. Finanzielle Steuerungsmechanismen wie Festzuschüsse oder Ausschreibungsvorschriften sind – wenn "das Notwendige vom Rehabilitationsträger in ,armutsfester' Weise garantiert" bleiben soll – nur für einen kleinen Teil des Hilfsmittelmarktes gangbar – nicht jedoch bei den aufwändig an individuelle Bedarfe angepassten Hilfen, denen ein Großteil von Ausgaben der zuständigen Leistungsträger gilt.

Zugehörige Dateien

DVfR-StN_Hilfsmittelversorgung_060412.pdf


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