Deutsche Vereinigung für Rehabilitation
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Eingliedern - aber richtig! Praxiserfahrungen beim betrieblichen Eingliederungsmanagement

Fachtagung am 3. November 2006 in Stuttgart

Logo der Initiative JOB - Jobs ohne Barrieren

Rund 460 Teilnehmer aus Großunternehmen, Klein- und Mittelbetrieben, aus Institutionen, von Sozialversicherungen und Anbietern von Gesundheits-/Rehabilitationsleistungen besuchten die Fachtagung " Eingliedern -aber richtig!" am 3.11.2006 in Stuttgart, um sich über neueste Entwicklungen und Praxiserfahrungen beim betrieblichen Eingliederungsmanagement zu informieren. Das große Interesse an dieser Tagung, die im Rahmen der Initiative "job - Jobs ohne Barrieren" durch die Deutsche Vereinigung für Rehabilitation (DVfR) organisiert wurde, belegt, dass immer mehr Unternehmen sich mit Fragen der betrieblichen Prävention auseinandersetzen und darüber den Austausch suchen.

Seit zwei Jahren ist die Pflicht der Betriebe zur Durchführung eines betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) in § 84 Abs. 2, Sozialgesetzbuch IX festgeschrieben. Die bisherigen Entwicklungen zeigen, dass erfolgreiche Strategien für den Erhalt des Arbeitsplatzes und der Beschäftigungsfähigkeit sich nicht allein auf gute Absichten und einzelne Aktionen gründen, sondern vielmehr das Ergebnis von zielgerichteten und koordinierten Maßnahmen sind. Über solche Erfahrungen wurde in den Vorträgen und bei den Informationsständen der INFO-BÖRSE berichtet.
Die Tagung wurde von Dr. Friedrich Mehrhoff (Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften) und Dr. Hans-Martin Schian (Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation), beide Mitglied des DVfR-Hauptvorstandes, geleitet. Sie unterstrichen in ihren Beiträgen, dass Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention in den Unternehmen erwiesenermaßen Vorteile für die Unternehmen, Mitarbeiter, und Sozialversicherungen bringen. Veranstaltungen wie diese tragen dazu bei, voneinander zu lernen. Jedoch gebe es nicht "die einzige gute" Lösung für ein erfolgreiches BEM in den Unternehmen. Die vorhandenen betrieblichen Strukturen und Bedingungen erfordern Kreativität, gute Kontakte zu betriebs-internen und -externen Partnern und auch Methodenkenntnisse, um ein funktionierendes BEM zu gestalten. Als Moderatoren wirkten Dr. Jürgen Wuttke (Vereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände, BDA) und Barbara Hüllen (BKK Bundesverband) mit.

Das Grußwort der Landesregierung Baden-Württemberg überbrachte Ministerialdirektor Thomas Halder. Der Parlamentarische Staatssekretär im BMAS, Franz Thönnes, MdB , erläuterte die Ziele der 2004 gestarteten Intitiative "job - Jobs ohne Barrieren", um Ausbildung und Beschäftigung behinderter Menschen und die betriebliche Prävention zu stärken. Er berichtete über viele erfolgreiche Projekte der Initiative. Sie belegen nicht nur die Wirksamkeit von betrieblichen Eingliederungsmaßnahmen, sondern auch den weiterhin großen Bedarf der Unternehmen nach Informatio-nen und Hilfestellung bei der Einführung eines BEM.

Besonderes Interesse zog auch der Vortrag von Franz Düwell , Vorsitzender Richter am Bundesarbeitsgericht in Erfurt, auf sich. Er erläuterte, dass die gesetzliche Pflicht zu betrieblichen Präventionsmaßnahmen den Arbeitgebern konkrete Aufgaben abverlangt. Wenngleich aus juristischer Sicht umstritten ist, ob ein BEM als Wirksamkeitsvoraussetzung für eine krankheitsbedingte Kündigung gelten kann, ist jedoch zu prüfen, ob Möglichkeiten zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit in Erwägung gezogen wurden. Er plädierte für ein individuelles ergebnisoffenes BEM-Klärungsverfahren mit dem betroffenen Arbeitnehmer. Dafür sollten die Unternehmen ein strukturiertes Handlungskonzept für ein BEM entwickeln.

Rainer Ludwig , Geschäftsführer Personal- und Sozialwesen der FORD-Werke Köln, berichtete, wie es in seinem Unternehmen gelungen ist, Strukturen für ein erfolgreiches BEM zu schaffen. Wichtigste Grundlage dafür seien Verantwortung für eine zukunftsfähige Personalpolitik, Kooperation und klare Handlungskompetenzen, sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretungen.

Die Voraussetzungen für ein strukturiertes BEM in Klein- und Mittelunternehmen (KMU) sind oft nicht gegeben. Reinhard Krückemeyer , Geschäftsführer der Reinhard Krückemeyer GmbH & Co. KG aus Wilnsdorf, erläuterte dies sehr anschaulich. Gerade in KMU sei das Verantwortungsbewusstsein für die Mitarbeiter besonders ausgeprägt. Nach seinen Erfahrungen sei es besonders aufwändig und schwierig, bei gesundheitlichen Problemen zu helfen und den richtigen Ansprechpartner zu finden. Deshalb benötigen KMU die Unterstützung von Sozialleistungsträgern und Dienstleistungsanbietern zu allen Fragen der Gesundheitsförderung und des Eingliederungsmanage-ments, und zwar möglichst gebündelt aus einer Hand.

Ein Weg zu einem strukturierten Handeln bei betrieblichen Präventionsmaßnahmen können Betriebsvereinbarungen zum BEM sein, wie Artur Lau , Personalrat beim Senator für Bau, Umwelt und Verkehr in Bremen, in seinem Beitrag darlegte. Viele bisher bekannte Betriebsvereinbarungen erfüllten jedoch die Erwartungen nur unvollständig, vor allem in Bezug auf verbindliche Inhalte wie Verantwortung, Datenschutz, Hinzuziehung des Betriebsarztes, Mitbestimmungsrechte, Persönlichkeitsrechte der Betroffenen u.a. Deshalb sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber Betriebsvereinbarungen stets befristet abschließen, um sie bei Bedarfschnell an veränderte Bedingungen und Entwicklungen anpassen zu können.

Bernd Petri , Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR), berichtete, dass die Sozialleistungsträger in Gemeinsamen Empfehlungen präventives Handeln festgeschrieben haben und auch in den Betrieben initiativ werden. Eine BAR-Arbeitsgruppe beschäftigt sich zur Zeit  u.a. mit der Entwicklung von Qualitätskriterien für das BEM.

In den folgenden fünf Beiträgen wurden die Erfahrungen aus Projekten der Initiative "job - Jobs ohne Barrieren" vorgestellt, die vor allem konkrete Angebote für Klein- und Mittelunternehmen beinhalteten. KMU verfügen meist nicht über eigene Strukturen und Kompetenzen für ein Gesundheitsmanagement und sind deshalb auf die besondere Unterstützung durch die Sozialleistungsträger und sozialen Dienste angewiesen. Prof. Dr. Christian Rexrodt, MundA GmbH in Essen, berichtete über ein gut funktionierendes Netzwerk von Dienstleistungen für Klein- und Mittelunternehmen in Oberhausen und Markus Hombach, pebb GmbH in Mainz, stellte Erfahrungen vor, wie erkrankte Mitarbeiter für die Mitwirkung beim BEM gewonnen werden können. Markus Taddicken, Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), Delmenhorst, und Björn Hagen , Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH in Ratzeburg, erläuterten jeweils, wie BG-Helfer bzw. Berater der FAW die Entwicklung von BEM-Konzepten und Kompetenzen in den Betrieben unterstützten.
Über Erfahrungen der Berufsförderungswerke bei der Entwicklung und Integration eines BEM in Unternehmen (EIBE-Projekt) berichtete Reiner Eggerer , Berufsförderungswerk Nürnberg.

Der abschließende Themenblock mit vier Kurzreferaten beschäftigte sich mit Lösungsansätzen für häufige betriebliche Problemstellungen. Ulrich Hartschuh, Deutsche Rentenversicherung Baden Württemberg, umriss die Aufgaben der gemeinsamen Servicestellen der Rehabilitationsträger beim BEM, die als Anlaufstelle für Unternehmen dienen könnten. Eine solche Kontaktstelle für Unternehmen würde vor allem dem Bedarf von Klein- und mittleren Unternehmen entsprechen. Bundesweit bestehe derzeit noch Entwicklungsbedarf in Bezug auf einheitliche Strukturen der gemeinsamen Servicestellen und betriebsbezogene Angebote. Über den oft schwierigen Umgang mit psychisch kranken Mitarbeitern und den Unterstützungsangeboten von Betriebssozialarbeitern berichte Michael Bremmer, Bundesfachverband Betriebliche Sozialarbeit e.V. (bbs). Dr. Ralf Franke, Health & Safety Director der DaimlerChrysler AG Stuttgart, stellte vor, wie sein Unternehmen auf die demographischen Herausforderungen reagiert und Konzepte für altersgerechten Personaleinsatz und Arbeitsgestaltung für eine alternde Belegschaft verwirklicht. Sabine Belter , Deutsche Bahn AG Berlin, erläuterte, dass beim Thema "Kommunikation mit Mitarbeitern beim BEM" trotz guter Absichten viele Fallstricke lauern. Vorrangig sei es, im Umgang mit erkrankten Mitarbeitern Vertrauen und Motivation aufzubauen.

Zwischen den Vortragsblöcken gab es genügend Zeit für den Besuch der Info-Börse. Hier nutzten die Teilnehmer die Möglichkeit, eigene Anliegen für die Gestaltung eines betriebliches Eingliederungs-managements mit den Experten an den Informationsständen zu diskutieren.

Die Tagung schloss mit einem kurzen Ausblick von Dr. Hans-Martin Schian , IQPR Köln/DVfR, auf künftige Entwicklungen beim BEM. Vorrangig sei, KMU-spezifische Konzepte zu entwickeln, die den besonderen Bedingungen der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) entsprechen. Sehr deutlich sei die Tendenz, in den Unternehmen nach Lösungen für das BEM zum Vorteil für alle Beteiligten zu suchen. Dies solle zu weiteren Aktivitäten anspornen und letztendlich auch die erreichen und motivieren, die bisher nur abwarten und beobachten.

In einem Tagungsreader wurden die Kurzfassungen der Vorträge und der Präsentationen der Info-Börse zusammengefasst (siehe Download).

Kontakt:
Deutsche Vereinigung für die Rehabilitation Behinderter (DVfR)
Friedrich-Ebert-Anlage 9
69117 Heidelberg
Tel. 0 62 21/ 2 54 85
Fax: 0 62 21/ 16 60 09

info(at)dvfr.de

Fotos von der BEM-Tagung in Stuttgart am 3.11. 2006

  • Foto Dr. Friedrich Mehrhoff
  • Foto Dr. Hans-Martin Schian
  • Foto Franz Thönnes
  • Foto Franz Düwell

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