DRS-Rollikids mit der Kurt-Alphons-Jochheim-Medaille geehrt

Kurt-Alphons-Jochheim-Medaille

Für ihre herausragenden Leistungen bei der ganzheitlichen Betreuung und umfassenden Unterstützung von rollstuhlfahrenden Kindern und Jugendlichen zur Förderung ihrer Mobilität, Aktivität, Selbstbestimmung und Inklusion wurde das Team der DRS-Rollikids von der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation am 5. Oktober 2012 in Berlin mit der Kurt-Alphons-Jochheim Medaille  ausgezeichnet.

Dr. Volker Anneken, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Inklusion durch Bewegung und Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln und der Lebenshilfe NRW (FiBS e.V.) und Leiter des Fachausschusses der DVfR „Bewegung, Sport und Freizeit“, betonte in seiner Laudatio, dass die DRS-Rollikids etwas Einmaliges bei der ganzheitlichen Teilhabe und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Bewegungseinschränkungen leisten. Sie haben immer das Kind mit seinen individuellen Fähigkeiten im Blick. Durch ihren pädagogischen und empathischen Ansatz, vermitteln sie den Kindern, etwas Besonderes zu sein und etwas leisten zu können. Somit zeigen sie auch den Eltern, dass das eigene Kind beweglich und selbständig sein kann. Ihr Verdienst ist es, die Perspektive des Kindes und der Eltern zu verändern: von der Sicht des Nicht-Könnens in die Perspektive des Könnens.

Das Leitbild der DRS-Rollikids ist: „mobil, aktiv, selbstbestimmt“! Das heißt, mobil mit Rollstuhl, aktiv durch Spiel, Sport und Bewegung und selbstbestimmt leben. Mit diesen drei Schlagworten lassen sich die Aktionen und das Wirken des Rollstuhl-, Kinder- und Jugendsports zusammenfassen.Leitbild Rollikids- Rollstuhlfahrende Kinder/Erwachsene in einer Halle

Neben Rollstuhlfahrkursen, Mobilitätstraining und Sportkursen für Jugendliche und junge Erwachsene und ihre Familien wird auch Beratung zum Thema Rollstuhlversorgung angeboten. Die DRS-Rollikids helfen beim Aufbau von Kinder- und Jugendsportabteilungen in Vereinen und Schulen und bilden Übungsleiter aus. Mit ihren Aktivitäten möchten die DRS-Rollikids die Menschen stärken – egal ob selbst- oder mitbetroffen. Vorbildlich ist die Entwicklung von Empowerment fördernden Netzwerken in Zusammenarbeit mit den betroffenen Familien, medizinisch-therapeutischen und pädagogischen Fachkräften.

Die Aktivitäten der DRS-Rollikids gehen auf die Initiative von Dr. Horst Strohkendl und Prof. Klaus Schüle zurück, die an der Universität zu Köln in den 80er Jahren im Rahmen der Sportausbildung Rollstuhl-Kurse eingerichtet haben. Mitbegründer der DRS-Rollikids und seitdem Koordinatoren und Übungsleiter sind Ute und Klaus Herzog. Mittlerweile gibt es ein bundesweites Netzwerk an aktiven Mitstreitern.

Im Anschluss an die Laudatio übergab Dr. Matthias Schmidt-Ohlemann, Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation, den anwesenden Teammitgliedern die Kurt-Alphons-Jochheim-Medaille. Stellvertretend für das gesamte Team nahm Ute Herzog die Medaille entgegen. Bei der Übergabe waren neben Ute und Klaus D. Herzog, Leiter und Mitgründer der DRS-Rollikids, Prof. Klaus Schüle, Dr. Horst Strohkendl und Ursula Wasel-Ziegert als weitere Mitinitiatoren bzw. Mitstreiter der DRS-Rollikids vertreten.Auf dem Bild sind (v.l.n.r.): Hr. Herzog (vorne), Fr. Wasel-Ziegert, Prof. Schüle, Dr. Anneken, Dr. Strohkendl, Fr. Herzog und Dr.Schmidt-Ohlemann

Von links nach rechts: Klaus D. Herzog (vorne), Ursula Wasel-Ziegert, Prof. Klaus Schüle, Dr. Volker Anneken, Dr. Horst Strohkendl, Ute Herzog und Dr. Matthias Schmidt-Ohlemann.

Frau Herzog bedankte sich bei Prof. Schüle und Frau Wasel-Ziegert, die die DRS-Rollikids für die Kurt-Alphons-Jochheim-Medaille vorgeschlagen hatten und für die bewegende Laudatio bei Dr. Anneken. Anschließend äußerte sie zwei Wünsche an die DVfR, um die Arbeit der DRS-Rollikids bekannter zu machen und zu unterstützen: Zum einen betrifft dies die Anerkennung der Rollstuhl- und Mobilitätskurse als Teil der Rehabilitationsleistung, zum anderen die Verbreitung  von Fachkenntnissen – die im Buch zur Rollstuhlversorgung festegehalten wurden – an Fachleute, die mit der Rollstuhlversorgung betreut sind.

Frau Herzog betonte, dass die Rollstuhl- und Mobilitätskurse die Grundlage der Arbeit der DRS-Rollikids sind. Früher wurden die Kosten der Kurse von den Krankenkassen finanziert – heute nicht mehr oder nur noch teilweise und nach Widerspruchseinlegung. So hatten die DRS-Rollikids vor diesem Einschnitt pro Jahr ca. 17 Kurse mit jeweils 16 Teilnehmern und konnten viele Betroffene erreichen. Im Zuge der Sparmaßnahmen der Krankenkassen ist dieser Bereich massiv abgebaut worden – d.h. es können nur noch drei Kurse pro Jahr durchgeführt werden, für die die Eltern die Kosten halb oder ganz übernehmen müssen. Das ist für viele Betroffene eine finanzielle Belastung, die sie nicht leisten können. Aber es ist enorm wichtig, dass Kinder mit Rollstuhl die Handhabung und den sicheren Umgang mit dem Gerät lernen! Zudem wirken die Kurse duch ihr umfassendes Konzept, das auch die Angehörigen der schwerbehinderten Kinder und Jugendlichen mit einbezieht, ganzheitlich im Sinne der Stärkung der Selbstbestimmung und Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.

Deshalb suchen die DRS-Rollikids Wege, um diesen wichtigen Bereich der Rollstuhl- und Mobilitätskurse ALLEN betroffenen Kindern anbieten zu können. Hier bitten die DRS-Rollikids die DVfR um Hilfe und Unterstützung.

Die Ausbildung im Umgang mit dem Hilfsmittel ist zwar im SGB IX verankert und steht jedem Hilfsmittelnutzer zu. Dennoch werden die Kosten für die Kurse oft nur teilweise und über langwierige Widerspruchsverfahren bewilligt.

Gerade jetzt, im Zuge der Inklusion in den Schulen, ist es besonders wichtig, dass Kinder mit Rollstuhl Vorbilder haben, an denen sie sich orientieren können. Diese Vorbilder finden die Kinder in den Übungsleitern der Rollstuhlmobilitätskurse. Die Übungsleiter sind selbst erfahrene Rollstuhlfahrer und vermitteln den Kindern dadurch Stärke und Selbstvertrauen.

Es ist außerdem wichtig, Fachwissen in der Rollstuhlversorgung zu verbreiten. Ute Herzog hat dazu ein Buch mit herausgegeben: „Rollstuhlversorgung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“. Leider macht die Rollstuhlversorgung wegen mangelndem Fachwissen oft nicht mobil, sondern beeinträchtigt in vielen Fällen die Bewegungsaktivität!

Frau Herzog bittet die DVfR bei der Verbreitung von Fachwissen Unterstützung zu leisten.

Herr Herzog betonte, dass der Einbezug der Rollstuhlnutzer in allen Gremien unerlässlich ist, um Dinge positiv und im Sinne der Betroffenen voranzutreiben.

In seinen Abschlussworten betonte Dr. Schmidt-Ohlemann, dass er die Unterstützung der DVfR verspreche, damit die wichtige Arbeit der DRS-Rollikids noch bekannter wird und noch mehr Kontakte geknüpft werden können.

Klaus D. Herzog und Ute Herzog, Leiter und Initiatoren der DRS-Rollikids
Weitere Informationen zu den DRS-Rollikids und ein Beitrag "Behinderung und Lebensqualität" von Dr. Horst Strohkendl finden Sie unter folgenden Links:
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DRS Rollikids - Kinder in ihren Rollstühlen sitzen in einer Reihe nebeneinander und schauen aus dem Bild heraus - Bilduntertitel: ... wir wollen uns auch bedanken


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